Zehntausende Epstein-Dokumente verschwanden kurzzeitig aus dem Netz – ausgerechnet jene, die einen prominenten Namen enthalten sollen.
Das US-Justizministerium hat nach Medienberichten zehntausende Dokumente aus den veröffentlichten Epstein-Akten vorübergehend aus dem öffentlichen Zugriff genommen. Das Ministerium bezeichnet die Maßnahme als Teil einer laufenden Überprüfung und stellt klar, dass keine Dateien dauerhaft gelöscht worden seien. Laut US-Medienberichten wurden bis Ende Februar mehr als 47.000 Dateien von der öffentlich zugänglichen Plattform zumindest temporär entfernt.
Ministeriumssprecherin Natalie Baldassarre erklärte gegenüber CBS News, man habe „keine Dateien aus der Bibliothek gelöscht“. Die Unterlagen aus den Ermittlungen rund um den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein seien lediglich zur weiteren Überprüfung vorübergehend offline gestellt worden. Das Wall Street Journal zitierte eine Sprecherin mit der Angabe, 47.635 Dateien seien zu diesem Zweck entfernt worden und sollten bis Ende der Woche wieder online gehen. Das US-Justizministerium erklärte, dass über 400 Juristen sowie mindestens 100 Mitarbeiter des FBI mehrere Wochen mit der Sichtung der Epstein-Akten beschäftigt seien.
Schutz oder Vertuschung?
Die Veröffentlichung der insgesamt über drei Millionen Seiten umfassenden Akten erfolgt auf Grundlage des sogenannten Epstein Files Transparency Act, der das Justizministerium gesetzlich dazu verpflichtet, wesentliche Teile der Ermittlungsunterlagen öffentlich zugänglich zu machen. Nach Angaben von CBS News wurden aus der Sammlung unter anderem Fotos aus Epsteins Gefängnis sowie Aufnahmen von Computern und weiteren Beweisstücken entfernt. Das Ministerium begründete dies mit dem Schutz persönlicher Daten und dem Schutz von Opfern. Laut einer späteren Mitteilung des Justizministeriums sei der Bereich mit allen Befragungen vorübergehend zur Schwärzung von Opfer- oder personenbezogenen Daten entfernt und später wieder online gestellt worden.
Abgeordnete äußerten hingegen Kritik und warfen der Behörde vor, einzelne Schwärzungen könnten in erster Linie einflussreiche Personen schützen. Laut Wall Street Journal betreffen einige der zurückgehaltenen Unterlagen FBI-Vermerke zu Befragungen einer Frau aus dem Jahr 2019. Sie habe ausgesagt, in den 1980er-Jahren als Minderjährige von Epstein missbraucht worden zu sein, und habe dabei auch Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens gegen den späteren US-Präsidenten Donald Trump erhoben.
Vorwürfe gegen Trump
Veröffentlicht wurden eine Zusammenfassung der Aussagen sowie ein erstes FBI-Vernehmungsprotokoll. Drei weitere Berichte, in denen ebenfalls über Trump gesprochen worden sein soll, sind nach Angaben des Wall Street Journal derzeit nicht online abrufbar. Eine offizielle Begründung dafür lieferte das Ministerium bislang nicht.
Im Zuge der Veröffentlichung hatte das Ministerium in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass die in den Unterlagen enthaltenen Angaben nicht verifiziert seien. Einige der gegen Trump erhobenen Vorwürfe seien dem FBI kurz vor der Präsidentschaftswahl 2020 vorgelegt worden und „unbegründet und falsch“, so das Ministerium. Hätten sie jegliche Glaubwürdigkeit gehabt, „wären sie sicherlich bereits gegen Präsident Trump instrumentalisiert worden“.