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48 Jahre im Todestrakt: 79-jähriger Vietnam-Veteran mit Giftspritze hingerichtet

48 Jahre im Todestrakt: 79-jähriger Vietnam-Veteran mit Giftspritze hingerichtet
Symbolfoto. FOTO: iStock/JJ Gouin
3 Min. Lesezeit |

Nach 48 Jahren im Todestrakt endete das Leben des Vietnam-Veteranen Richard Jordan durch eine Giftspritze. Seine Hinrichtung markiert einen beunruhigenden Meilenstein.

Nach fast fünf Jahrzehnten im Todestrakt wurde der 79-jährige Vietnam-Veteran Richard Jordan am Mittwoch in einem Gefängnis in Mississippi durch eine Giftspritze hingerichtet. Jordan war 1976 schuldig gesprochen worden, die Ehefrau eines Bankangestellten ermordet zu haben. Der Fall geht auf eine Entführung zurück, bei der Jordan für Edwina Marter ein Lösegeld von 25.000 US-Dollar gefordert hatte. Die Polizei nahm den damaligen Werftarbeiter fest, als er versuchte, das Geld in Empfang zu nehmen. Nach seinem Geständnis führte Jordan die Ermittler zum Leichnam des Opfers, den er in einem Waldstück abgelegt hatte.

Jordans Hinrichtung erfolgte erst nach einem außergewöhnlich langen juristischen Marathon. Sein Fall durchlief insgesamt vier separate Gerichtsverfahren und zahlreiche Berufungen. Bis zuletzt kämpften seine Anwälte für eine Aussetzung des Todesurteils. Der Oberste Gerichtshof der USA lehnte jedoch am Tag der Hinrichtung die letzte Berufung ab. Die Verteidigung kritisierte besonders, dass die Jury nie von Jordans traumatischen Erfahrungen im Vietnamkrieg und seiner daraus resultierenden posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) erfuhr. Dies lag daran, dass ihm kein unabhängiger psychiatrischer Gutachter zur Verfügung gestellt wurde – ein Umstand, der nach heutigen Rechtsstandards als problematisch gilt.

Steigende Hinrichtungszahlen

Mit Jordans Hinrichtung steigt die Zahl der in den USA vollstreckten Todesurteile im laufenden Jahr auf 25 – eine Marke, die bereits der Gesamtzahl der Exekutionen des Vorjahres entspricht. Besonders Florida fällt mit sieben Hinrichtungen in diesem Jahr auf. Erst einen Tag vor Jordans Tod wurde dort ein 51-jähriger Mörder mittels Giftspritze hingerichtet.

Jordan galt zum Zeitpunkt seiner Hinrichtung als der am längsten inhaftierte Todestraktinsasse der Vereinigten Staaten. Sein Fall steht exemplarisch für die komplexen psychologischen und rechtlichen Herausforderungen, mit denen Langzeitinsassen konfrontiert sind. In den fast fünf Jahrzehnten seiner Inhaftierung veränderten sich die rechtlichen Standards für Todesurteile mehrfach – eine Entwicklung, die in seinem Fall zu wiederholten Berufungen und neuen Verfahren führte.

Politische Kontroverse

Die Todesstrafe bleibt in den Vereinigten Staaten ein politisch umstrittenes Thema. US-Präsident Donald Trump positioniert sich als entschiedener Befürworter der Kapitalstrafe und forderte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit eine Ausweitung für besonders schwerwiegende Verbrechen. Während in 23 der 50 US-Bundesstaaten die Todesstrafe mittlerweile verboten ist und drei weitere Staaten ein Moratorium (vorübergehende Aussetzung) verhängt haben, wird sie in den übrigen Bundesstaaten weiterhin vollstreckt.