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Generationenraumschiff

58 Kilometer lang: Dieses Raumschiff soll Tausende für immer von der Erde wegbringen

58 Kilometer lang: Dieses Raumschiff soll Tausende für immer von der Erde wegbringen
Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

**400 Jahre Reise, keine Rückkehr, keine Erde am Horizont – ein neues Projekt denkt das Unmögliche mit wissenschaftlicher Präzision durch.**

Projekt Chrysalis klingt zunächst nach Science-Fiction – doch hinter dem Namen verbirgt sich eine ernstzunehmende technische Studie, die sich auf mehrere hundert Seiten erstreckt und eine der kühnsten Fragen der Menschheit stellt: Wie könnten wir über Jahrhunderte hinweg im Weltall leben?

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Idee eines interstellaren Lebensraums, der auf eine Missionsdauer von rund 400 Jahren ausgelegt wäre – bei konstanter Reisegeschwindigkeit, weit entfernt von jedem bekannten Planeten. Um den menschlichen Körper dabei nicht dem Verfall preiszugeben, setzt Chrysalis auf Zentrifugaltechnologie: Durch gezielte Rotation soll eine künstliche Schwerkraft von 0,9 g erzeugt werden – nahezu identisch mit jener auf der Erde.

Technische Grenzen

Die dafür vorgesehene Struktur wäre mit einer Länge von 58 Kilometern ein Bauwerk ohne Vergleich in der Geschichte der Menschheit. Montiert werden soll sie an den sogenannten Lagrange-Punkten – gravitativ stabile Positionen im Weltraum, an denen Objekte ohne nennenswerten Treibstoffaufwand gehalten werden können. Angetrieben würde das Gefährt durch einen Fusionsreaktor, der auf Helium-3 und Deuterium basiert. Das Problem: Einen solchen Reaktor gibt es bislang nicht. Er existiert auf dem Papier – und sonst nirgends.

Neben diesen technischen Hürden sind es die ungelösten Fragen rund um Strahlenschutz und Wärmemanagement, die das Projekt vor enorme Herausforderungen stellen. Selbst die Wasseraufbereitung, die auf der Internationalen Raumstation bereits eine Effizienz von 98 Prozent erreicht, müsste für eine derart lange Missionsdauer noch weiter optimiert werden – denn jedes verlorene Prozent summiert sich über Generationen zu einem ernsthaften Versorgungsproblem.

Gesellschaft auf Reisen

Denn genau darum geht es bei Chrysalis letztlich auch: um Generationen. Die Menschen, die eine solche Reise antreten würden, wären nicht dieselben, die sie beenden. Das wirft Fragen auf, die weit über Ingenieurswissenschaften hinausgehen.

Wie organisiert man eine Gesellschaft, die über Jahrhunderte stabil bleiben muss – ohne Kontakt zur Erde, ohne externe Korrekturmöglichkeit? Die Studie schlägt unter anderem kollektive Kindererziehung und Maßnahmen zur Populationskontrolle vor, um das demographische Gleichgewicht an Bord langfristig zu sichern. Als Orientierungsmodell dienen dabei antarktische Forschungsstationen, deren Erfahrungen mit extremer Isolation und sorgfältig ausgewählten Besatzungen als Blaupause für die Mannschaftsauswahl herangezogen werden.

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KO KOSMO-Redaktion
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