Zwei Baumärkte, Tausende Jobs, ein Ausverkauf: Was hinter den Kulissen von Hellweg und BayWa gerade passiert, hat weitreichende Folgen.
Der großangelegte Ausverkauf bei Hellweg und BayWa Bau & Garten ist in vollem Gange: Seit dem 7. September läuft in insgesamt 111 Filialen – 68 davon gehören zu Hellweg, 43 zu BayWa – ein Räumungsverkauf mit Rabatten von bis zu 30 Prozent. Zahlreiche Kundinnen und Kunden nutzen die Gelegenheit, wenngleich bestimmte Produktkategorien von den Preisnachlässen ausgenommen sind. Für die Berliner Standorte ist der Ausverkauf bis zum 30. November angesetzt.
Tiefe Krise
Beide Unternehmen befinden sich in einer tiefen Krise. Hellweg hatte Mitte Juni 2026 Insolvenz angemeldet, BayWa Bau & Garten folgte am 26. August. Als Ursachen gelten anhaltender Inflationsdruck, hohe Mietkosten sowie eine schwächelnde Konsumstimmung. Besonders in Nordrhein-Westfalen und Bayern, wo beide Ketten stark vertreten sind, ist die Lage ernst.
Die Folgen für die Belegschaft sind gravierend: Rund 4.000 Beschäftigte haben bereits ihre Kündigung erhalten.
Übernahmegespräche
Dennoch zeichnen sich erste Übernahmegespräche ab. Obi hat Interesse an bis zu zwölf Hellweg- und fünf BayWa-Standorten bekundet, auch Bauhaus, Hornbach, Hagebau und Globus prüfen einzelne Filialen. Sollten keine weiteren Investoren einsteigen, droht die endgültige Schließung von 50 weiteren Hellweg- und 29 weiteren BayWa-Filialen.
Der Rückzug beider Ketten aus zahlreichen Regionen dürfte nicht nur die Marktstruktur dauerhaft verschieben, sondern trifft auch lokale Wirtschaftsräume empfindlich – darunter Standorte mit einem hohen Anteil an Beschäftigten aus der BKS-Gemeinschaft (bosnisch-kroatisch-serbischsprachige Community), für die die Schließungen unmittelbare Konsequenzen haben können.