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Schuldenfalle

60.000 Euro Schulden – nur 6.000 zurückzahlen: Zeitfenster schließt sich bald

60.000 Euro Schulden – nur 6.000 zurückzahlen: Zeitfenster schließt sich bald
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

60.000 Euro Schulden, ein Privatkonkurs – und am Ende nur 6.000 Euro Rückzahlung. Doch ein wichtiges Zeitfenster schließt sich bald.

Es begann mit einem ganz alltäglichen Vorhaben: Kerstin H. – der Name wurde geändert – nahm einen Konsumkredit auf, um den Wechsel in eine größere Wohnung und die Anschaffung neuer Möbel zu stemmen. Wenige Monate später erhöhte die 50-Jährige den Kreditbetrag, weil ihr Auto eine kostspielige Reparatur benötigte. Zu diesem Zeitpunkt war ihre finanzielle Lage noch geordnet.

„Mit dem damaligen Job und ihrem Einkommen gingen sich die Kreditraten wunderbar aus“, berichtet Tommaso Bonfiglio (34) von „Schuldenfrei Beratung“. Da die Bank zu jener Zeit großzügig Kredite vergab, nutzte Kerstin H. die Gelegenheit und nahm einen noch höheren Betrag auf – für eine Reise nach Thailand.

Schleichender Absturz

Was folgte, war ein schleichender Absturz. „Plötzlich musste Frau H. dreimal so hohe Energiekosten stemmen, die ohnehin schon für Konsumkredite hohen Zinssätze stiegen ebenfalls an“, erklärt der Schuldenberater. Monat für Monat wurde das Budget enger, das Girokonto tiefer überzogen.

„Anfangs dachte sie, das sei ein vorübergehendes Tief, was sie schon irgendwie überstehen würde“, so Bonfiglio. Den entscheidenden Einschnitt brachte die Insolvenz ihres Arbeitgebers – Kerstin H. verlor ihre Stelle und war fortan auf Arbeitslosengeld angewiesen, was die Lage weiter zuspitzte.

Am Ende summierte sich der Schuldenberg auf 60.000 Euro – zusammengesetzt aus offenen Kreditverbindlichkeiten, Kontoüberziehung, ausstehenden Strom-, Gas- und Handyrechnungen, Mietzinsrückständen sowie auf Rechnung bestellter Kleidung. Als die Mahnungen und Inkassobriefe sich häuften und schließlich eine Exekution eingeleitet wurde, wandte sich die Wienerin an „Schuldenfrei Beratung“. „Die Ursachen für Zahlungsunfähigkeit sind oft vielschichtig. Neben gestiegenen Lebenshaltungskosten spielen auch Konsumkredite mit hohen Zinsen sowie flexible Zahlungsmodelle wie ‚Später bezahlen‘-Funktionen eine Rolle. Kommt dann noch ein Einschnitt wie Jobverlust dazu, kippt die finanzielle Situation schnell“, führt Bonfiglio aus.

Privatkonkurs-Antrag

Auf Basis des monatlichen AMS-Bezugs von 1.565 Euro berechnete der Berater eine Zahlungsquote von 1,728 Prozent – entsprechend 1.036,80 Euro – und stellte beim Bezirksgericht Wien-Donaustadt einen Privatkonkurs-Antrag. Daraufhin wurde ein Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Den Gläubigern war die vorgeschlagene Quote jedoch zu gering.

Da Kerstin H. an einer Einigung gelegen war, erhöhte sie ihr Angebot auf zehn Prozent, zahlbar innerhalb von drei Jahren. Die Gläubigermehrheit stimmte dem Vorschlag zu – die Wienerin muss damit insgesamt lediglich 6.000 Euro zurückzahlen. Für die Abwicklung genügen in der Regel zwei bis drei persönliche Beratungstermine, das Pauschalhonorar beginnt bei 690 Euro.

Vielen Betroffenen ist dabei nicht bewusst, dass seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2021 eine Entschuldung im Rahmen eines Tilgungsplans bereits ab drei Jahren möglich ist. Diese Befristung läuft für Privatpersonen allerdings am 17. Juli aus. „Aus derzeitiger Sicht ist nicht bekannt, dass der Gesetzgeber diese Befristung verlängert. Es ist somit noch offen, wie es danach weitergeht. Für viele Betroffene könnte das ein entscheidendes Zeitfenster sein“, warnt Bonfiglio.

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KO KOSMO-Redaktion
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