Während Bulgarien nach EU-Zustimmung 2026 den Euro einführen soll, formieren sich im Land massive Proteste. Die Bevölkerung bleibt gespalten, die Wirtschaft begrüßt den Schritt.
Bulgarien erhielt auf dem EU-Gipfel in Brüssel die offizielle Zustimmung der Staats- und Regierungschefs zur Einführung des Euro. Die Entscheidung folgt dem Vorschlag der EU-Kommission, der dem Balkanland den Währungswechsel zum 1. Jänner 2026 ermöglicht. Nach der bereits erfolgten Befürwortung durch die EU-Finanzminister steht nur noch deren formelle Bestätigung aus. Bulgarien, seit 2007 EU-Mitglied, würde damit zum 21. Land der Eurozone werden – nach Kroatien, das Anfang 2023 beitrat.
Der Beitritt zur Währungsunion setzt die Erfüllung spezifischer Konvergenzkriterien (wirtschaftliche Angleichungsbedingungen) voraus. Dazu zählen stabile Preise, solide Staatsfinanzen und konstante Wechselkurse. Besonders die Inflationskontrolle spielt eine zentrale Rolle, um die Kaufkraft des Geldes zu sichern. Die Europäische Zentralbank und die EU-Kommission überwachen regelmäßig die Fortschritte der Beitrittskandidaten. Anfang Juni bestätigten beide Institutionen, dass Bulgarien inzwischen alle erforderlichen Bedingungen erfüllt.
Der ursprüngliche Plan, den Lew (bulgarische Landeswährung) bereits Anfang 2024 durch den Euro zu ersetzen, scheiterte unter anderem an der damaligen Inflationsrate von 9,5 Prozent. Obwohl Bulgarien trotz überdurchschnittlicher Wachstumsraten weiterhin das niedrigste Pro-Kopf-BIP in der EU aufweist, konnte es mittlerweile die wirtschaftlichen Hürden für den Eurobeitritt nehmen. Dabei spielt die langfristige Währungskopplung eine wichtige Rolle: Der bulgarische Lew ist bereits seit den 1990er-Jahren fest an den Euro gebunden, mit einem Umstellungskurs von 1 Euro zu 1,95583 Lewa, der auch nach der Euro-Einführung beibehalten wird.
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Heftige Proteste
Die Währungsumstellung löst in Bulgarien heftige Kontroversen aus. Im Februar attackierten nationalistische Demonstranten die EU-Vertretung in Sofia mit Feuer, roter Farbe, Molotow-Cocktails und Eiern. Ende Mai folgten landesweite Proteste von Anhängern prorussischer und nationalistischer Gruppierungen, die den Erhalt des Lew fordern und Preisanstiege durch den Euro befürchten.
Zum EU-Gipfel organisierte die prorussische Kleinpartei Welitschie einen europaweiten Autokorso gegen die Währungsumstellung. Für diesen Samstag plant die nationalistische Partei Wasraschdane, die im EU-Parlament derselben Fraktion wie die AfD angehört, eine Großdemonstration in Sofia. Die Partei wirft den Behörden Datenfälschung vor und sieht in der Euro-Einführung einen Verlust nationaler Souveränität.
Gespaltene Meinungen
Wasraschdane-Vorsitzender Kostadin Kostadinow forderte eine Volksabstimmung zur Währungsfrage. Trotz 604.000 gesammelter Unterschriften lehnte das bulgarische Parlament ein solches Referendum sowohl 2023 als auch im Mai 2025 ab. Inzwischen haben die Behörden Kontrollen eingeleitet, um ungerechtfertigte Preiserhöhungen nach den positiven Bewertungen durch EU-Kommission und EZB zu verhindern.
Die bulgarische Bevölkerung zeigt sich in der Euro-Frage tief gespalten. Eine Umfrage des Instituts Mjara von Mitte Mai ergab, dass 54,9 Prozent der Erwachsenen gegen die Euro-Einführung 2026 sind, während 34,4 Prozent sie befürworten. In Wirtschaftskreisen überwiegt dagegen die Zustimmung: Laut Alpha Research unterstützen 66,3 Prozent der Unternehmen den Eurobeitritt, nur ein Drittel lehnt ihn ab.
Kroatische Erfahrungen als Vorbild
Die Erfahrungen des Nachbarlandes Kroatien, das erst Anfang 2023 den Euro einführte, könnten für Bulgarien aufschlussreich sein. Die Umstellung hat den Handel und besonders den Tourismus in Kroatien erleichtert, da Wechselkursgebühren für Reisende und Unternehmen entfallen. Der stabile Umrechnungskurs in Bulgarien soll einen ähnlich reibungslosen Übergang für Wirtschaft und Verbraucher gewährleisten und die mit einer Währungsumstellung verbundenen Risiken minimieren.
Für die endgültige Einführung des Euro in Bulgarien müssen nach Anhörung des Europäischen Parlaments und der EZB die EU-Mitgliedstaaten auf Ebene der Finanzminister die erforderlichen Rechtsakte verabschieden. Gemäß den EU-Verträgen sind mit Ausnahme Dänemarks alle Mitgliedstaaten zum Beitritt zur Gemeinschaftswährung verpflichtet, sobald sie die Voraussetzungen erfüllen.
Allerdings verfolgen einige Länder wie Schweden, Polen und Ungarn dieses Ziel nicht mit Nachdruck.