Nach der umstrittenen Sechs-Tage-Woche folgt der nächste Paukenschlag: Griechenland plant 13-Stunden-Arbeitstage und komprimierte Vier-Tage-Wochen gegen den Fachkräftemangel.
Die griechische Finanzkrise von 2010 bis 2018 hinterließ tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt des Landes. Als Griechenland am Rande des Staatsbankrotts stand, verließen zahlreiche qualifizierte junge Fachkräfte ihre Heimat, um im Ausland berufliche Perspektiven zu finden. Dieser massive Verlust an Humankapital – in Fachkreisen als Brain-Drain (Abwanderung qualifizierter Arbeitskräfte) bezeichnet – belastet die griechische Wirtschaft bis heute, trotz der mittlerweile positiven ökonomischen Entwicklung.
Bereits im vergangenen Jahr erregte Griechenland Aufmerksamkeit in der Europäischen Union, als es als erster Mitgliedstaat die Option einer Sechs-Tage-Arbeitswoche einführte. Nun plant die Regierung in Athen eine weitere Liberalisierung der Arbeitszeitmodelle.
Tourismus im Fokus
Besonders betroffen von dem akuten Personalmangel ist die für Griechenland wirtschaftlich zentrale Tourismus-, Gastronomie- und Hotelleriebranche, in der derzeit rund 80.000 Stellen unbesetzt sind. Das für September vorgesehene Gesetzesvorhaben soll hier Abhilfe schaffen und Arbeitstage von bis zu 13 Stunden sowie komprimierte Vier-Tage-Wochen ermöglichen.
Die gesetzliche Wochenarbeitszeit von 40 Stunden bleibt dabei unangetastet, wobei zusätzlich acht Überstunden pro Woche gestattet sein werden. Ein Novum stellt die quartalsweise Berechnung der durchschnittlichen Arbeitszeit dar, wodurch in bestimmten Wochen deutlich mehr als die regulären 40 Stunden geleistet werden können.
Gesetzliche Grenzen und Schutzbestimmungen
Das Gesetz sieht jedoch klare Grenzen vor: Die jährliche Überstundenzahl wird auf 150 begrenzt, und die 13-Stunden-Tage dürfen maximal 37 Mal pro Jahr anfallen. Mindestens elf Stunden Ruhezeit pro Tag und mindestens ein freier Tag pro Woche bleiben dabei verpflichtend.
Für Arbeitsleistungen jenseits des achtstündigen Normalarbeitstages ist ein Überstundenzuschlag von 40 Prozent pro Stunde vorgesehen. Das griechische Modell unterscheidet sich dabei von Vier-Tage-Wochen-Konzepten anderer EU-Länder, da die Gesamtarbeitszeit nicht reduziert, sondern lediglich auf vier Tage zu je zehn Stunden verteilt wird.