Ein falscher Astronaut in Not, eine verliebte Seniorin und eine Million Yen Schaden: In Japan hat ein Betrüger mit einer kosmischen Liebesgeschichte zugeschlagen.
Eine alleinlebende Seniorin aus Nord-Hokkaido fiel einem Betrüger zum Opfer, der sich in sozialen Medien als Astronaut ausgab. Wie ein lokaler Polizeibeamter gegenüber AFP mitteilte, handelt es sich um einen klassischen „Romance Scam“ (Liebesbetrug) – die Japanerin hatte während ihrer digitalen Kommunikation emotionale Bindungen zu dem vermeintlichen Weltraumforscher aufgebaut.
Der Täter nutzte diese Gefühle geschickt aus und forderte Geldüberweisungen für angeblich dringend benötigten Sauerstoff. Mit dieser Masche erbeutete er rund eine Million Yen (etwa 6.700 US-Dollar). Der Unbekannte hatte behauptet, er befinde sich in einer lebensbedrohlichen Situation im All – sein Raumschiff werde attackiert und er benötige dringend Atemluft.
Ähnliche Betrugsfälle
Die Hokkaido-Bewohnerin ist nicht das erste Betrugsopfer dieser Art. Schon 2022 gab es einen ähnlichen Fall, bei dem ein angeblicher russischer Raumfahrer einer 65-Jährigen die Heirat versprach, sofern sie ihm bei der Rückkehr von der ISS (Internationale Raumstation) finanziell unterstütze. Bevor die Frau misstrauisch wurde und den Schwindel durchschaute, hatte sie bereits mehr als 20.000 Euro überwiesen.
Die Astronauten-Betrugsmasche existiert jedoch schon deutlich länger: Nach dem Ende der Sowjetunion trat ein vermeintlicher Mitarbeiter der nigerianischen Raumfahrtbehörde in Erscheinung. In seinen E-Mails bat er um finanzielle Hilfe für die Rückholung seines Cousins Abacha Tunde von einer geheimen russischen Raumstation. Dieser sei von seinen Kollegen zurückgelassen worden, weil kein Platz mehr vorhanden war. Eine Rettungsmission sei in Planung, und das gespendete Geld werde nach Tundes Landung mit erheblichem Gewinn zurückerstattet, so das Versprechen von Dr. Bakara Tunde.
Gefährdete Senioren
Japan hat laut Weltbank nach Monaco die zweitälteste Bevölkerung weltweit, und Senioren werden häufig Ziel organisierter Betrügereien. Dazu zählt der bekannte Enkeltrick, bei dem sich Kriminelle als hilfsbedürftige Familienmitglieder ausgeben, um Geld zu erpressen. Die Polizei warnt zudem, dass ältere Menschen auch dazu verleitet werden können, an Geldautomaten nicht existierende „Rückerstattungen“ ihrer Versicherungsprämien oder Renten abzuheben.
Die Behörden raten bei Geldforderungen von Online-Bekanntschaften grundsätzlich misstrauisch zu sein und solche Vorfälle umgehend zu melden. Besonders alleinlebende Senioren seien durch die emotionale Komponente der Romance Scams gefährdet, da die Betrüger gezielt psychische Abhängigkeiten aufbauen.