Luxusreisen statt Schuldenrückzahlung: Ein Wiener Immobilienunternehmer steht wegen betrügerischer Krida vor Gericht, während Gläubiger auf 80 Millionen Euro warten.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat gegen den Wiener Immobilienunternehmer Lukas Neugebauer eine Anklage wegen betrügerischer Krida (vorsätzliche Gläubigerschädigung bei Insolvenz) eingereicht. Im Mittelpunkt steht das insolvente Immobilienunternehmen LNR, bei dem Gläubiger Forderungen von mehr als 80 Millionen Euro angemeldet haben. Trotz des laufenden Insolvenzverfahrens soll Neugebauer einen kostspieligen Lebensstil fortgeführt haben, während zahlreiche Gläubiger auf ihre Millionenforderungen warten.
Dem Anklagedokument zufolge, das beim Landesgericht für Strafsachen Wien vorliegt, verbrauchte der Beschuldigte zwischen Oktober und Dezember 2024 rund 145.000 Euro – zu einem Zeitpunkt, als sein Privatvermögen bereits einem Insolvenzverfahren unterlag. Die Staatsanwaltschaft argumentiert, dass diese erheblichen persönlichen Ausgaben die Befriedigung der Gläubigeransprüche verhindert oder zumindest erheblich reduziert haben.
Anstatt seine finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen, soll der Immobilienunternehmer weiterhin einen exklusiven Lebenswandel gepflegt haben – mit kostspieligen Reisen, teuren Einkäufen und Besuchen in gehobenen Gastronomiebetrieben. Besonders brisant ist der Fall, weil der Unternehmer früher mehrere Gesellschaften führte, die inzwischen allesamt insolvent sind. Bei einer Verurteilung könnte er mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen.
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Pleite-Imperium mit über 30 Gesellschaften
Der Umfang von Neugebauers Geschäftstätigkeit zeigt das wahre Ausmaß des Falls: Er war als Gesellschafter und Geschäftsführer in über 32 Immobilien- und Projektentwicklungsgesellschaften tätig. Bereits vor der aktuellen LNR-Pleite hatten auch die B&R Generalunternehmer GmbH sowie die LNR Development Insolvenz angemeldet, was ein Muster von Firmenpleiten erkennen lässt.
Das aktuelle Insolvenzverfahren der LNR-Gruppe ist noch größer als zunächst bekannt: Laut den Gläubigerschützern KSV, AKV und Creditreform wurden Forderungen von insgesamt 94 Millionen Euro gegenüber 32 Gläubigern angemeldet. Als Masseverwalter wurde der Wiener Anwalt Matthias Schmidt bestellt, der nun versuchen muss, aus der Konkursmasse noch etwas für die Gläubiger zu retten.
Umfassende Ermittlungen
Die aktuelle Anklage repräsentiert jedoch nur einen Teilaspekt eines umfassenderen Wirtschaftskriminalfalls. In der Causa LNR ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen etwa zehn natürliche Personen und Verbände. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Die erhobenen Vorwürfe umfassen schweren Betrug, Untreue und betrügerische Krida.
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Der zentrale Vorwurf in diesem mutmaßlichen Betrugskomplex: Die Beschuldigten sollen Kreditinstituten fälschlicherweise vorgespiegelt haben, Miteigentumsanteile an Immobilien erwerben zu wollen, um Darlehen zu erhalten. Die Ermittlungen deuten darauf hin, dass sie dafür Scheinverträge und vorgetäuschte Geschäfte präsentierten, um Miteigentumsanteile an Liegenschaften vorzuspiegeln. Ein beteiligter Treuhänder soll zudem Kreditbeträge von Treuhandkonten freigegeben haben, ohne dass eine grundbücherliche Besicherung vorhanden war.
Millionenschaden
Die Schadensbilanz ist beträchtlich: Etwa zwölf Bankinstitute und mehrere Privatpersonen wurden geschädigt, mit einem Gesamtschaden im hohen zweistelligen Millionenbereich. Die Untersuchungen in diesem vielschichtigen Wirtschaftsfall dauern an.
Die gegenwärtige Anklage wegen betrügerischer Krida könnte den Auftakt zu einer Serie von Strafverfahren bilden, die das gesamte Ausmaß des mutmaßlichen Millionenbetrugs offenlegen werden.