Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Uhrendebatte

Schluss mit Zeitumstellung: Radikaler 3-Zonen-Plan soll kommen!

Schluss mit Zeitumstellung: Radikaler 3-Zonen-Plan soll kommen!
FOTO: iStock
3 Min. Lesezeit |

Die seit Jahren festgefahrene Debatte um die Abschaffung der Zeitumstellung in Europa könnte durch eine grundlegende Neuordnung der Zeitzonen gelöst werden. Der deutsche Wirtschaftswissenschaftler Korbinian von Blanckenburg plädiert für eine Verkleinerung der aktuell überdimensionierten Mitteleuropäischen Zeitzone.

Sein Konzept sieht vor, dass Spanien und Frankreich künftig der Westeuropäischen Zeitzone zugeordnet werden, während osteuropäische Staaten konsequent in die GMT+2-Zone eingegliedert würden. Diese Neuausrichtung würde den Sonnenhöchststand wieder näher an die tatsächliche Mittagszeit rücken – statt wie derzeit oft erheblich davon abzuweichen.

Der Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe hat seine Überlegungen in mehreren aktuellen Studien zu den Auswirkungen der Zeitumstellung untermauert. Von Blanckenburg sieht in der geografisch sinnvolleren Zuordnung der Zeitzonen eine praktikable Alternative zur bisherigen Regelung, die seit Jahren in der EU diskutiert, aber nicht umgesetzt wird.

Der Stillstand in der europäischen Zeitumstellungsdebatte resultiert aus gegensätzlichen Präferenzen der Mitgliedstaaten. Während einige Länder die dauerhafte Einführung der Sommerzeit favorisieren, sprechen sich andere für die permanente Winterzeit aus. Beide Optionen führen jedoch zu Komplikationen: Im östlichen Europa würde bei dauerhafter Sommerzeit die Sonne extrem früh aufgehen, während der Westen bei permanenter Winterzeit unter sehr späten Sonnenuntergängen leiden würde. Diese Hauptproblematik führt dazu, dass die EU-Mitgliedstaaten keine einheitliche Position finden können.

Unterstützung für von Blanckenburgs Ansatz kommt von der in Barcelona ansässigen „Time Use Initiative“ (Zeitnutzungs-Initiative). Die Organisation befürwortet ebenfalls eine stärkere Ausrichtung der Zeitzonen an geografischen Gegebenheiten. Das erklärte Ziel: gesündere Tagesrhythmen für die Bevölkerung, Reduzierung des sozialen Jetlags und eine ausgewogene Lösung für alle EU-Mitgliedstaaten.

⇢ Uhr zurück, Risiko rauf: Warum die Zeitumstellung uns krank macht

Drei-Zonen-Modell

Der konkrete Vorschlag für die Neustrukturierung sieht drei Zeitzonen vor: Die Westeuropäische Zeit (GMT) würde Portugal, Spanien, Frankreich und Irland umfassen. Die Mitteleuropäische Zeit (GMT+1) bliebe für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien, Polen, Tschechien, die Benelux-Staaten sowie die skandinavischen Länder mit Ausnahme Finnlands bestehen. Die Osteuropäische Zeit (GMT+2) würde Finnland, Griechenland, Rumänien, Bulgarien, das Baltikum und weitere osteuropäische Staaten einschließen.

Vor- und Nachteile

Die Befürworter betonen mehrere Vorteile: die Beendigung der halbjährlichen Zeitumstellungen, eine bessere Übereinstimmung mit natürlichen Tag-Nacht-Zyklen sowie langfristig positive Auswirkungen auf Gesundheit und Arbeitsproduktivität. Skeptiker hingegen verweisen auf praktische Herausforderungen bei der Umsetzung. Wirtschaftssektoren, Verkehrssysteme und die gesamte IT-Infrastruktur müssten angepasst werden.

Zudem wäre eine einheitliche, EU-weit koordinierte Regelung unerlässlich, um chaotische Zustände zu vermeiden. Experten fordern deshalb eine geografisch sinnvollere Zuordnung der Zeitzonen als Ausweg aus der seit Jahren blockierten Debatte zur Abschaffung der Zeitumstellung.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen