Nach umstrittenen Freisprüchen in einem Missbrauchsfall verteidigt Opferanwalt Sascha Flatz seine mediale Strategie. Die Kritik an seiner Rolle prallt an ihm ab.
Nach dem Freispruch von zehn jungen Männern, die beschuldigt wurden, sich an einer Zwölfjährigen vergangen zu haben, steht Opferanwalt Sascha Flatz im Kreuzfeuer der Kritik. Im Gespräch mit der „Krone“ zeigt er sich von den Vorwürfen unbeeindruckt.
Auf die Frage, wie er zu den Vorwürfen stehe, während der Ermittlungen Medienkontakt gesucht zu haben, entgegnet Flatz bestimmt: „Ich sehe in meinem Job nicht, dass ich die Gerichte zufriedenstelle. Ich bin meiner Mandantin verpflichtet.“ Bevor ich den Fall übernommen habe, wurde bereits ausführlich darüber berichtet.“
Während viele Opfervertreter die Öffentlichkeit meiden, wählte Flatz bewusst einen anderen Weg. „Es wurden immer wieder falsche Tatsachen gestreut und die musste ich in der Öffentlichkeit richtigstellen. Das werde ich auch weiterhin machen“, erklärt er seine Strategie.
Anhaltende Diskussion
Fast drei Wochen nach den nicht rechtskräftigen Freisprüchen der zehn Beschuldigten am Wiener Landesgericht – sie waren wegen Verletzung der sexuellen Selbständigkeit beziehungsweise geschlechtlicher Nötigung angeklagt – ebbt die Diskussion nicht ab. Sowohl die Urteile als auch die Medienberichterstattung und Flatz‘ Rolle als Opfervertreter werden weiterhin kontrovers diskutiert.
Auf die Bedenken, ob die mediale Aufmerksamkeit das Opfer zusätzlich belastet habe, antwortet der Anwalt: „Von der Berichterstattung hat sie eigentlich nichts mitbekommen. Schlimm war für sie, dass sie alles noch einmal während ihrer Aussage durchleben musste und ihr dann nicht geglaubt wurde.“
Den Vorwurf, er hätte Medienvertreter zur Einvernahme des Mädchens eingeladen, weist Flatz entschieden zurück: „Ich hab‘ das sicher nicht gemacht. Die Situation war schon schwierig genug für das Mädchen.“
Bewusste Strategie
Könnte ein solch öffentlicher Umgang mit Sexualdelikten andere Opfer von einer Anzeige abschrecken? Flatz sieht das anders: „Ich denke, wir haben genau das Gegenteil bewirkt. Wir haben zur wesentlichen Aufklärung für Opfer, Eltern und Täter beigetragen. Besonders, dass Jugendliche gar nicht in solche Situationen kommen.“
Rückblickend würde der Rechtsanwalt trotz aller Kritik an seiner Vorgehensweise nichts anders machen: „Die Frage habe ich mir selber gestellt. Aber ich würde wahrscheinlich nichts anders machen. Ich habe im besten Interesse meiner Mandantin gehandelt. Das sieht sie auch so.
Ich bin auch davon überzeugt, dass wir einen wichtigen Beitrag zur Sensibilisierung in Sexualdelikten geleistet haben.“