Trotz vereinbarter Waffenruhe im Gazastreifen sterben täglich Kinder. UNICEF dokumentiert 30 getötete Minderjährige seit Oktober – während humanitäre Hilfe weiter blockiert wird.
Trotz Waffenruhe sterben im Gazastreifen weiterhin Kinder. Seit dem 10. Oktober gilt zwar eine Vereinbarung zwischen der Hamas und Israel, doch beide Konfliktparteien beschuldigen sich gegenseitig regelmäßig der Verstöße. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks UNICEF wurden seit Beginn der Waffenruhe etwa 30 Kinder getötet – statistisch betrachtet ein Kind pro Tag.
„Eine Waffenruhe, die zu weniger Angriffen führt, ist zwar ein Fortschritt, aber eine Waffenruhe, unter der weiterhin Kinder begraben werden, ist unzureichend“, erklärte UNICEF-Sprecher James Elder bei einer Videokonferenz mit Journalisten in Genf. Die israelische Armee reagierte auf eine entsprechende Anfrage der Nachrichtenagentur AFP zunächst nicht.
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Die Gesundheitsbehörde der Hamas-Regierung im Gazastreifen nannte deutlich höhere Opferzahlen. Laut Saher al-Wahidi seien von insgesamt 442 Todesopfern 165 Kinder gewesen. Zusätzlich seien seit Jahresbeginn sieben Kinder an den Folgen der Kälte gestorben.
Dramatische Lebensbedingungen
Elder betonte, dass die fortdauernden israelischen Militäraktionen nach mehr als zwei Jahren Konflikt die Lebensbedingungen für Kinder im Gazastreifen „unvorstellbar schwer“ gestalten. „Sie leben in permanenter Angst. Die psychologischen Schäden bleiben unbehandelt“, warnte der UNICEF-Vertreter. Je länger dieser Zustand anhalte, desto schwerwiegender und komplexer würden die seelischen Verletzungen.
Die humanitäre Situation verschärfte sich zusätzlich, als die israelische Regierung am 1. Jänner 37 internationalen Hilfsorganisationen die Zulassung für Einsätze im Gazastreifen entzog. Elder kritisierte diesen Schritt scharf: Die Blockade von Nichtregierungsorganisationen und humanitärer Hilfe bedeute letztlich eine Blockade „lebensrettender Unterstützung“.
Blockierte Hilfslieferungen
Zwar konnte UNICEF seit Oktober mehr Hilfsgüter in das dicht besiedelte Gebiet bringen, doch für die Verteilung vor Ort fehlen Partner. Zudem reiche die Hilfe bei weitem nicht aus. „Es kann gar nicht genug betont werden, wie viel hier noch zu tun ist“, unterstrich Elder.
Der aktuelle Konflikt wurde durch den Überfall von Hamas-Kämpfern und verbündeten Milizen auf Israel im Oktober 2023 ausgelöst, bei dem mehr als 1.200 Menschen getötet und etwa 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt wurden.
Nach Angaben der Hamas kamen in dem darauffolgenden Krieg mehr als 70.000 Menschen im Gazastreifen ums Leben – eine Zahl, die nicht unabhängig verifiziert werden kann.