149 Tote, hunderte Verletzte – jetzt fiel das Urteil im größten Terrorprozess Russlands seit Jahrzehnten.
Am 22. März 2024 stürmten die Angreifer die Crocus City Hall, eröffneten das Feuer auf die Anwesenden und legten das Gebäude anschließend in Brand. Der Anschlag forderte 149 Todesopfer und mehr als 600 Verletzte – es war der schwerste Terrorakt auf russischem Territorium seit über zwei Jahrzehnten. Der letzte vergleichbare Anschlag war die Geiselnahme an der Schule in Beslan im Jahr 2004, bei der mehr als 330 Menschen ums Leben kamen. Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat bekannte sich zu dem Massaker. Ungeachtet dessen bemühten sich die russischen Behörden darum, eine Verbindung zur Ukraine herzustellen – ein Vorwurf, den Kiew entschieden zurückwies.
Noch in den Stunden unmittelbar nach dem Anschlag gaben die russischen Ermittler die Festnahme der Täter bekannt. Den Angaben zufolge hatten die Männer versucht, in Richtung Belarus beziehungsweise Ukraine zu fliehen. Zum Tatzeitpunkt waren die vier Angreifer zwischen 20 und 31 Jahre alt und gingen laut Behörden Berufen als Taxifahrer sowie als Fabrik- und Bauarbeiter nach.
Sichtbare Folterspuren
Bei ihrer Vorführung vor dem Richter wiesen die Festgenommenen deutlich sichtbare Folterspuren auf. Einer der Männer musste bewusstlos im Rollstuhl in den Gerichtssaal gebracht werden. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 15 weitere Angeklagte verurteilt worden, denen vorgeworfen wurde, den Tätern ein Fahrzeug verkauft oder eine Unterkunft vermietet zu haben. Einer dieser mutmaßlichen Komplizen soll laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS darum ersucht haben, als Kämpfer in die Ukraine entsandt zu werden, um einer Haftstrafe zu entgehen.
Urteil verkündet
Angehörige der Opfer verfolgten die Urteilsverkündung im Gerichtssaal. Mehrere der Angeklagten, die in einem Glaskäfig untergebracht waren, senkten den Blick, als der Richter das Strafmaß verkündete.
In einem parallel geführten Verfahren wurden vier weitere Männer wegen Beihilfe zum Terrorismus zu langjährigen Haftstrafen verurteilt – die Strafen lagen zwischen 19 Jahren und elf Monaten sowie 22 Jahren und sechs Monaten.