Ein Urlaubsort, drei Kleinkinder allein im Zimmer – und ein Befund, der den Fall in eine neue Dimension hebt.
An der Costa del Sol ist ein britisches Paar festgenommen worden, nachdem es seine drei kleinen Kinder allein in einem Hotelzimmer zurückgelassen hatte, um auszugehen. Das jüngste der Kinder – ein gerade einmal sechs Monate altes Baby – wurde positiv auf Kokain getestet.
Wie ein Sprecher der spanischen Nationalpolizei bestätigte, wurden ein 41-jähriger Brite und eine 28-jährige Frau wegen des Verdachts auf Kindesvernachlässigung in Gewahrsam genommen. Die drei Kinder im Alter von sechs Monaten, rund einem Jahr und vier Jahren waren allein im Zimmer aufgefunden worden und wurden anschließend ins Krankenhaus gebracht. „Die spezialisierte Einheit UFAM, die sich mit Familien- und Frauenangelegenheiten befasst, ist in den Fall eingebunden, und der Sozialdienst der andalusischen Regionalregierung hat vorübergehend die Betreuung der Kinder übernommen“, so der Polizeisprecher.
Desolate Zustände
Das Hotelzimmer, in dem die Kinder vorgefunden wurden, befand sich in einem desolaten Zustand. Das älteste der Geschwister – gerade einmal vier Jahre alt – hatte offenbar versucht, sich um die Jüngeren zu kümmern. Alle drei wurden zur Untersuchung in das Krankenhaus Materno Infantil in Málaga gebracht.
Das Hotel liegt im Ferienort Benalmádena an der Costa del Sol, wurde jedoch nicht namentlich genannt. Einer mit dem Fall vertrauten Quelle zufolge handelt es sich um einen „sehr großen Hotelkomplex“. Die Festnahme erfolgte Berichten zufolge in den frühen Morgenstunden, wobei die Polizei den genauen Zeitpunkt nicht bestätigen wollte.
Offen blieb zunächst auch, ob die Beamten die Rückkehr der Eltern ins Hotel abgewartet oder das Paar noch unterwegs aufgegriffen hatten. Die Situation, in der die Kinder angetroffen wurden, bezeichneten ermittlungsnahe Quellen als „besorgniserregend“. Zu Medienberichten, wonach das Baby positiv auf Kokain getestet worden sei, wollte die Polizei offiziell keine Stellung nehmen.
Den Verdächtigen droht zunächst eine Nacht in Polizeigewahrsam, ehe sie einer ersten richterlichen Anhörung zugeführt werden sollen – wenngleich dies zum Zeitpunkt der Berichterstattung noch nicht offiziell bestätigt war. Ein Richter wird in weiterer Folge entscheiden, ob die beiden auf freiem Fuß bleiben oder bis zum Abschluss der Ermittlungen in Haft verbleiben müssen.
Ähnlicher Vorfall
Es ist nicht das erste Mal, dass ein derartiger Fall an der Costa del Sol für Aufsehen sorgt. Bereits im Feber war eine Britin in der Gegend festgenommen worden, nachdem ihr acht Monate alter Sohn positiv auf Kokain getestet worden war. Die Polizei hatte die Frau gemeinsam mit ihrem Partner an einem Strand bei Marbella aufgegriffen, wo die beiden in einem Zelt in den Dünen des Strandes Cabopino lebten und ein Feuer entfacht hatten.
Das Paar besaß ein nicht versichertes Fahrzeug mit abgelaufener Zulassung. Aufgrund der vorgefundenen Lebensumstände und des Verdachts auf Unterernährung wurde das Baby zunächst in ein örtliches Gesundheitszentrum gebracht und später in das Krankenhaus Costa del Sol in Marbella verlegt. Die Untersuchungen bestätigten sowohl eine altersuntypische Unterernährung als auch Kokainspuren im Urin des Kindes, woraufhin es auf der Kinderstation aufgenommen wurde.
Die Mutter, eine 25-jährige Britin, hatte laut lokalen Berichten in den Wochen zuvor mehrere vereinbarte Termine in der Kinderklinik versäumt. Ihr Partner wurde als 43-jähriger Spanier identifiziert.
Ein Gericht leitete eine Untersuchung ein; wie der Fall ausging, ist nicht bekannt.