33 Sekunden Förderchaos: Regierung kündigt neues PV-System an – doch übermorgen startet noch die alte Förderlotterie.
Die Bundesregierung will die Photovoltaik-Förderung ab 2027 grundlegend umbauen. Statt die Errichtung neuer Anlagen wie bisher zu fördern, sollen künftig vor allem Stromspeicher und intelligente Energiemanagementsysteme im Mittelpunkt stehen. Damit soll die bisherige Förderlotterie beendet und mehr Planungssicherheit geschaffen werden. Doch ausgerechnet übermorgen startet noch einmal ein Fördercall nach dem alten System.
Die Neuausrichtung wurde am 6. Oktober präsentiert. Künftig sollen Speichersysteme sowohl für neue PV-Anlagen als auch zur Nachrüstung bestehender Anlagen unterstützt werden. Voraussetzung soll ein intelligentes Energiemanagementsystem sein, das den Speicher nach festgelegten Kriterien netz- und systemdienlich steuert. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von der bloßen Errichtung neuer Anlagen hin zur besseren Nutzung des bereits erzeugten Sonnenstroms. Die genaue Ausgestaltung des neuen Modells muss allerdings noch rechtlich umgesetzt werden.
Altes System läuft weiter
Besonders brisant ist der Zeitpunkt der Reform: Am 8. Oktober um 17 Uhr beginnt der dritte und letzte PV-Fördercall des Jahres 2026 nach dem bisherigen EAG-System. Für die Kategorien A und B gilt dabei weiterhin das Prinzip „first come, first served“. Entscheidend ist also, wer beim Start schnell genug ein Ticket erhält.
Wie groß der Druck auf das System ist, zeigte bereits der vergangene Fördercall. Knapp 28.000 Anträge standen Fördermitteln für nur rund 3.000 Projekte gegenüber. Rund 25.000 Haushalte und Betriebe gingen leer aus. Die Fördermittel waren nach nur 33 Sekunden ausgeschöpft. Damit entschied letztlich nicht nur die Qualität eines Projekts, sondern vor allem die Geschwindigkeit beim digitalen Antrag über die Förderchance.
Reform mit Fragezeichen
Die neue Ausrichtung greift damit ein Problem auf, das sich in den vergangenen Förderrunden deutlich gezeigt hat. Ein System, bei dem tausende Interessenten gleichzeitig um einen begrenzten Fördertopf kämpfen und nach wenigen Sekunden kaum noch Chancen haben, bietet weder für private Haushalte noch für Betriebe eine verlässliche Grundlage für Investitionen.
Gleichzeitig bleibt ein Widerspruch bestehen: Während die Regierung das Ende der 33-Sekunden-Fördercalls ankündigt, müssen Interessierte übermorgen noch einmal genau an einem solchen Verfahren teilnehmen. Für den letzten Call stehen in den Kategorien A bis D insgesamt deutlich weniger Mittel zur Verfügung als im ersten Fördercall des Jahres. Die neue Förderung soll zwar ab 2027 für mehr Planbarkeit sorgen – bis dahin bleibt das alte System jedoch bestehen.
Was jetzt gilt
Der Fördercall startet am 8. Oktober um 17 Uhr mit der Ticketziehung. Ab 9. Oktober können die Projekte eingereicht werden, der Ticketzeitpunkt gilt dabei als Einreichzeitpunkt. Der Call läuft bis 22. Oktober. Stromspeicher können auch im bisherigen System nur gemeinsam mit einer neuen oder erweiterten PV-Anlage gefördert werden.
Die politische Botschaft lautet damit: Das bisherige Modell soll abgeschafft werden. Für jene, die jetzt investieren wollen, zählt jedoch noch einmal das alte Prinzip. Die eigentliche Bewährungsprobe für die angekündigte Reform beginnt daher erst 2027 – wenn aus dem Versprechen eines einfacheren Fördersystems tatsächlich ein verlässliches werden muss.