Einzig eine junge Frau in einer vollen Bar in Beograds Ausgehmeile Skadarlija kümmert sich um ein kleines Roma-Mädchen. Es tut ihr nicht gut. Eine Skizze aus dem Königreich des Aleksandar.
Tränen rinnen ihre Wangen herunter.
Ihre Lippen zucken.
Ihre Augen wandern umher, unsicher, wen sie ansehen kann.
Ob sie überhaupt jemanden ansehen kann.
Die junge Frau wirkt verstört, hilflos, ratlos.
Ein paar Gäste in der vollen Bar in Skadarlija schauen auf.
In der Sprache ohne Namen frage ich sie, ob alles in Ordnung ist.
„Ich versteh eure Sprache nicht“, anwortet sie auf Englisch.
Ich war mir nicht sicher, ob sie eine Hiesige ist.
Dem Aussehen nach könnte sie serbische Romni ebenso sein wie Touristin.
Amela legt ihr die Hand auf die Schulter, um sie zu beruhigen.
Ein Kind bettelt. Nur eine Frau reagiert.
„Ich hab’s nicht geschafft“, sagt die junge Frau. „Ich hab ihr nicht helfen können.“
Ein paar Minuten zuvor war sie entschlossen auf die Straße gegangen, einem Roma-Mädchen im Volksschulalter nach.
Die Kleine hatte in der Bar gebettelt.
Spätnachts, irgendwann zwischen halb zwei und zwei.
Die meisten Gäste hatten die Kleine ignoriert.
Man sieht das oft in Beograd.
Kinder, die ein Instrument auf der Straße spielen. Kinder, die abends oder spätnachts von Lokal zu Lokal gehen. Rosen verkaufen, Packungen Taschentücher oder betteln.
Fast immer sind es Roma-Kinder. Siehe diese Reportage oder diesen Bericht.
Gib Geld. Gib kein Geld. Beides ist falsch.
Die Eltern schicken sie nicht zum Spaß auf die Straße.
Diese Eltern leben im Elend.
Nur, man will auch nicht belohnen, dass Kinder misshandelt werden.
Eine Chance auf Bildung haben sie so nicht.
Wenn man das jeden zweiten Tag sieht, stumpft man ab.
Nia heißt die junge Frau. Sie hat das zum ersten Mal gesehen.
Nia ist Britin mit indischen Wurzeln, lebt heute in den USA.
Wir haben einander mittlerweile vorgestellt.
„Du hast getan, was du konntest“, sagt ihr Amela.
Clemens pflichtet bei.
Es vermag kaum, Nias Tränen zu trocknen.
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