Eine invasive Hornissenart breitet sich weiter aus – nun hat sie erstmals das Tiroler Unterland erreicht.
Im Tiroler Unterland ist erstmals eine Asiatische Hornisse nachgewiesen worden. Den Fund machte ein Imker aus Kössen im Bezirk Kufstein, wie das Land Tirol mitteilt. Die invasive Art hat ihren Ursprung in Zentral- und Ostasien und gelangte vor vermutlich mehr als zwei Jahrzehnten nach Frankreich, von wo aus sie sich seither auf dem europäischen Kontinent ausbreitete.
In Österreich war sie erstmals 2024 in Salzburg festgestellt worden, erste Nester tauchten 2026 in Vorarlberg auf. Bis August 2026 sind österreichweit vier bestätigte Nachweise dokumentiert: ein Einzeltier in der Stadt Salzburg im April 2024 sowie drei Nester in Vorarlberg zwischen Juni und Juli 2026. „Sie stellen allen voran eine Gefahr für die heimische Biodiversität dar, weshalb Experten derzeit auf der Suche nach dem Nest sind. Die Bevölkerung wird gebeten, allfällige Sichtungen bzw. Verdachtsmomente zu melden“, erklärt das Land Tirol.
Bedrohung für Bienen
Als soziale Faltenwespe gefährdet die Asiatische Hornisse insbesondere Honigbienen, Wildbienen und weitere einheimische Insektenarten in erheblichem Maß. Ihre birnenförmigen Nester mit seitlichem Eingang können bis zu 80 Zentimeter Durchmesser erreichen – anfangs in Sträuchern und niedrigen Bäumen angelegt, verlagern sie sich mit wachsender Volksgröße in die oberen Baumkronen.
Eine im Herbst befruchtete Königin gründet im darauffolgenden Frühjahr eine neue Kolonie. Im Spätsommer und Frühherbst kann ein Volk bis zu 2.000 Individuen umfassen. In dieser Phase sind die Tiere in der Lage, täglich mehrere Hundert Honigbienen zu erbeuten – über eine gesamte Saison hinweg bis zu elf Kilogramm Insekten. Das stellt nicht nur eine ernsthafte Bedrohung für das ökologische Gleichgewicht und die heimische Artenvielfalt dar, sondern hat auch spürbare wirtschaftliche Folgen für die Imkereibetriebe.
Erkennungsmerkmale
Von der heimischen Europäischen Hornisse lässt sich die Asiatische Variante vor allem durch ihre charakteristische Färbung unterscheiden. Die Europäische Hornisse weist einen rotbraunen Kopf sowie einen rotbraun-schwarzen Brustbereich auf, während diese Körperpartien bei der Asiatischen Hornisse überwiegend schwarz gefärbt sind. Der Hinterleib ist ebenfalls weitgehend schwarz und trägt lediglich ein breites orangefarbenes Band. Besonders auffällig sind zudem die schwarzen Beine mit gelben Spitzen.
Wer ein Tier oder ein Nest entdeckt, wird gebeten, den Fund unverzüglich zu melden – entweder beim Amt der Tiroler Landesregierung, über das zentrale Velutina-Meldeportal oder bei der zuständigen Gemeinde: Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Umweltschutz: umweltschutz@tirol.gv.at – Zentrales Velutina-Meldeportal (Biene Österreich und Landwirtschaftskammern): www.bienengesundheit.at/vespa-velutina – Zuständige Gemeinde.
Wer einem Tier oder einem Nest begegnet, sollte ausreichend Abstand halten und hektische Bewegungen sowie Erschütterungen in der Nähe des Nestes vermeiden. Eine eigenmächtige Entfernung des Nestes ist unter keinen Umständen vorzunehmen.
Auch vom Einsatz von Hornissenfallen oder Wespensprays wird ausdrücklich abgeraten, da solche Maßnahmen unkontrollierte Reaktionen der Tiere auslösen können.