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Schutzmaßnahmen

Alarmierender Anstieg bei sexuellem Missbrauch von Kindern im Internet

(FOTO: iStock/spukkato)
(FOTO: iStock/spukkato)

Der digitale Raum ist für Kinder und Jugendliche ein Ort des Spielens, Lernens und der Kommunikation. Doch die Schattenseiten des Internets bringen erschreckende Realitäten ans Licht. Sexueller Missbrauch von Minderjährigen im Netz ist ein Problem von alarmierendem Ausmaß. Neue Studienergebnisse und Statistiken unterstreichen die Dringlichkeit, effektive Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Das renommierte US National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) und die österreichische Meldestelle Stopline dokumentieren jährlich eine erschreckend hohe Anzahl an weltweiten Meldungen von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern. Allein im Jahr 2023 gingen beim NCMEC 36,2 Millionen Meldungen mit mehr als 105 Millionen Dateien ein. In Österreich wurden in den ersten beiden Monaten dieses Jahres bereits 6649 zutreffende Meldungen zum sexuellen Missbrauch registriert. Dies entspricht mehr als die Hälfte der gesamten Meldungen im Jahr 2023 mit 10.828 zutreffenden Meldungen.

Neue Formen des Missbrauchs

Besonders beunruhigend ist der drastische Anstieg an Meldungen von Sextortion, einer Form der Erpressung mit Nacktaufnahmen oder Aufnahmen sexueller Handlungen. Die Internet Watch Foundation (IWF) verzeichnet einen noch nie dagewesenen Anstieg der Anzahl von Webseiten, die zeigen, wie Kinder unter 10 Jahren zu sexuellen Handlungen manipuliert werden.

Studie bringt neue Erkenntnisse

Eine aktuelle Studie der finnischen Kinderrechtsorganisation Suojellaan Lapsia – Protect Children – mit 30.000 Befragten, die im Darknet aktiv Kindesmissbrauchsdarstellungen konsumieren, bringt neue Erkenntnisse. Demnach entdecken 77 Prozent der Befragten Missbrauchsdarstellungen nicht im Darknet, sondern im offenen Internet, insbesondere über Pornoseiten und soziale Medien. Rund 30 Prozent der Täter suchen, betrachten und teilen Missbrauchsmaterial auch über soziale Medien und verschlüsselte Messaging-Apps. Instagram, Facebook und Discord sind dabei die am häufigsten genutzten Plattformen, über die Täter auch den direkten Kontakt zu einem Kind suchen. Ende-zu-Ende verschlüsselte Messaging-Apps wie Telegram, WhatsApp und Signal werden ebenfalls häufig für diese illegalen Aktivitäten genutzt.

Experten fordern Maßnahmen

„Obwohl dieses unfassbare Ausmaß schon lange bekannt ist und die Meldungen jährlich steigen, werden nach wie vor keine wirksamen Schritte gesetzt“, kritisiert Waltraud Gugerbauer, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich. Sie betont: „Vor diesem Hintergrund betonen wir erneut, wie wichtig es ist, dass Technologieunternehmen Verantwortung für die schrecklichen Taten übernehmen, die über ihre Plattformen geschehen. Die Täter nutzen auch bewusst Dienste mit einer Ende-zu-Ende Verschlüsselung, die es ihnen erlauben ihre Verbrechen zu begehen, ohne Angst vor einer Strafverfolgung zu haben.“ ECPAT fordert eine strenge europäische Gesetzgebung, die dazu beiträgt, den sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet – einschließlich Grooming – auf allen Plattformen aufzudecken und zu beseitigen. „Die Technologie dafür ist bereits vorhanden. Wir dürfen nicht weiterzusehen, wie diese Verbrechen vor unseren Augen zugelassen werden“, mahnt Gugerbauer.

Die alarmierenden Zahlen und Fakten verdeutlichen: Es besteht dringender Handlungsbedarf, um Kinder im Internet effektiv vor sexuellem Missbrauch zu schützen. Es liegt nun an den Technologieunternehmen, den Gesetzgebern und der Gesellschaft, Verantwortung zu übernehmen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen.

Hilfe bei Missbrauch

Falls Sie Personen kennen, die unter psychischem, physischem und/oder sexuellem Missbrauch leiden, zögern Sie nicht um Hilfe zu bitten:

Rat auf DrahtOnlineberatung
Chatberatung Mo bis Fr, 18 – 20 Uhr
Rat auf Draht: 147
Sozialpsychiatrischer Notdienst: 01 / 310 87 79
Frauenhelpline: 0800 222 555
Sorgentelefon für Alle: 0800 / 20 14 40
Psychiatrische Soforthilfe: 01 / 313 30

Bündnis KinderschutzKostenloses Präventionsbuch um Kindesmissbrauch und Mobbing zu stoppen

Quelle: OTS