Jedes zehnte Kind in Österreich kann nicht schwimmen – ein alarmierender Zustand, den die Corona-Pandemie noch verschärft hat. Nun soll ein umfassendes Maßnahmenpaket Abhilfe schaffen.
In Österreich können etwa zehn Prozent der Kinder zwischen fünf und 19 Jahren nicht schwimmen, wie Schmidt während einer Pressekonferenz am Wiener Donaukanal mitteilte. Die Situation habe sich durch ausgefallene Schwimmstunden während der Corona-Pandemie noch verschärft. Die Staatssekretärin betonte das zentrale Anliegen: „Jedes Kind in Österreich soll schwimmen lernen.“ Diese Aufgabe müsse von allen gesellschaftlichen Ebenen gemeinsam getragen werden – von Eltern über Schulen bis hin zu Bund, Ländern und Gemeinden.
Für die Schwimmlehrkräfte sind Verbesserungen bei der Ausbildung geplant, unter anderem durch ein praxisorientiertes Handbuch. Schmidt kündigte zudem an, den freien Zugang zu Seen stärken und rechtlich absichern zu wollen. Das Sportministerium fördert darüber hinaus den Bau von 50-Meter-Schwimmbecken zur Unterstützung des Leistungssports. Die Sport-Staatssekretärin bemängelte in diesem Zusammenhang, dass „in Österreich derzeit nur sechs Bäder, die 50-Meter-Becken anbieten“ existieren.
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Hallenbad-Finanzierung
Die finanzielle Situation der Hallenbäder stellt eine besondere Herausforderung dar. „Wir wissen, dass sich kein Hallenbad budgetär rechnet“, erklärte Schmidt. Als Lösungsansatz nannte sie interkommunale Kooperationen mit Unterstützung der Länder. OSV-Vorstandsmitglied (Österreichischer Schwimmverband) Thomas Unger verwies auf ein erfolgreiches Beispiel aus Rohrbach in Oberösterreich, wo auf diese Weise ein Hallenbad realisiert wurde.
Dennoch gibt es laut Susanne Polansky, Bundeskoordinatorin des OSV-Projekts „Learn to Swim“, gerade in Oberösterreich „ein paar weiße Flecken“ in der Hallenbadversorgung. Ein Wasserflächenbericht wird derzeit erstellt, dessen erster Statusbericht für September erwartet wird.
Regionale und soziale Unterschiede
Besonders betroffen von fehlenden Schwimmkenntnissen sind Kinder aus sozial schwächeren Familien, für die private Schwimmkurse oft zu teuer sind. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass 17 Prozent der Jugendlichen keinen Zugang zu Schulschwimmen haben. Zudem gaben zehn Prozent der Familien an, überhaupt keinen Zugang zu Schwimmbädern oder Badeseen zu haben – eine Zahl, die im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen ist.
Die Schwimmfähigkeit österreichischer Kinder zeigt deutliche regionale Unterschiede. Vor allem in ländlichen Gebieten und einkommensschwachen Regionen mangelt es an niederschwelligen Angeboten und entsprechender Infrastruktur. Die Pandemie hat diese Unterschiede weiter verschärft, da vielerorts die regulären Schwimmkurse in der Volksschule ausgefallen sind.
Konkrete Maßnahmen
Die angekündigten Maßnahmen sollen laut Schmidt „Schritt für Schritt“ in den kommenden Monaten und Jahren umgesetzt werden. Von den geplanten 10.000 zusätzlichen Schwimmeinheiten werden mehr als 1.000 Kindergärten und Volksschulen profitieren.