Ein außergewöhnliches Selbstexperiment einer deutschen Psychologin hat womöglich neue Einblicke in den Einfluss der Antibabypille auf das Gehirn geliefert. Die Wissenschaftlerin Carina Heller unterzog sich dafür im Laufe von zwei Jahren 75 Magnetresonanztomografie (MRT)-Untersuchungen und beobachtete die Veränderungen ihres Gehirns während und nach der Einnahme der Pille.

„Der Einfluss der Antibabypille auf das Gehirn ist wenig erforscht, obwohl sie Millionen Frauen weltweit anwenden. Um zu untersuchen, wie sie sich auf neuronale Muster und das Volumen bestimmter Gehirnregionen auswirkt, unterzieht sich Carina Heller in den vergangenen beiden Jahren einem Selbstexperiment. Bevor, während und nachdem sie drei Monate die Pille genommen hat, steigt die Psychologin an ihrem damaligen Arbeitsort, der Universität Jena, jeweils fünf Wochen lang von Montag bis Freitag für 90 Minuten ins MRT. Zusätzlich lässt sie die Hormonkonzentrationen im Blut bestimmen und füllt täglich Stimmungsfragebögen aus“, heißt es in einem Bericht der deutschen Pharmazeutischen Zeitung, der sich auf „Nature“ bezieht.
Die Ergebnisse, die Heller kürzlich auf der Jahrestagung der „Society for Neuroscience“ vorstellte, zeigen, dass unter Einnahme der Pille das Volumen bestimmter Hirnareale leicht schrumpft. Heller betont jedoch, dass dies nicht zwangsläufig auf eine Verbesserung oder Verschlechterung der Gehirnfunktion hinweist: „Es handle sich um eine komplexe und fein abgestimmte Reaktion des Gehirns auf hormonelle Schwankungen.“
Oh no! | These birth control pills could cause pregnancy, FDA warns in recall https://t.co/5SbXMyfAef pic.twitter.com/jLMixriy7X
— ABC Action News (@abcactionnews) June 8, 2017
Während der natürlichen Phasen ohne die Pille zeigten die MRT-Bilder der Psychologin andere Muster. „Carina Heller stellt fest, dass das Gehirnvolumen und die neuronale Konnektivität im Verlauf eines natürlichen Menstruationszyklus schwanken und rhythmische Muster zeigen. Unter der Einnahme der ‚Pille‘ nehmen sowohl das Volumen als auch die Konnektivität zwischen bestimmten Gehirnregionen im Vergleich dazu leicht ab. Nach dem Absetzen normalisieren sich diese Parameter größtenteils wieder“, so die Pharmazeutische Zeitung.
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Heller plant, ihre MRT-Daten auch anderen Forschern zur Verfügung zu stellen und möchte ihre Ergebnisse mit Daten einer Endometriose-Patientin vergleichen, um mögliche Zusammenhänge zwischen hormonellen Schwankungen und bestimmten Erkrankungen des Gehirns zu erforschen.