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Arbeitsmarkt: Wenn Migranten Migranten verdrängen

Osteuropäische Arbeitskräfte zieht es in Österreich oft auf den Bau. Ökonomen sehen Indizien dafür, dass Migranten bereits in Österreich lebende Menschen teilweise am Arbeitsmarkt verdrängen. (Foto: iStock)

Im Mai 2011 haben acht der zehn EU-Mitgliedsstaaten aus Osteuropa vollständigen Zugang zum österreichischen Arbeitsmarkt erhalten. Seit dem gibt es Indizien für einen sogenannten Verdrängungsprozess. Doch wer verdrängt wen am Arbeitsmarkt?

Im EU-Schnitt liegt Österreich mit einer Arbeitslosenquote von 5,9 Prozent, unter den 28 EU-Staaten auf den 10. Platz. Sowohl Tschechien (3,2 Prozent) als auch Rumänien (5,3) weisen eine geringere Arbeitslosigkeit als Österreich auf. Zwar ist der Unterschied gering, dennoch scheinen diese Länder, langsam, ihre Arbeitslosenquoten in den Griff bekommen zu haben. Seit 2011 haben insgesamt 35.000 Osteuropäer zusätzlich eine Beschäftigung in Österreich gefunden. Die Folgen haben sich vor allem in bestimmen Branchen manifestiert, wie in der Gastronomie, dem Bau und dem Handel. Ein Trend ist hier seit einigen Jahren ersichtlich, denn die neuen, besser qualifizierten Migranten würden vor längerer Zeit zugewanderte Menschen vom Arbeitsmarkt verdrängen. Die Arbeitslosenzahlen, die bei Menschen ohne österreichischen Pass stark steigen, deuten darauf hin.

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So lautet das Ergebnis der Forschungseinrichtung EcoAustria, welche die Fluchtbewegung in den letzten Jahren in Verbindung mit dem Arbeitsmarkt analysiert hat.

 

Deutsche größere Bedrohung als Flüchtlinge

Es sind weniger Syrer oder Iraker, die die „Altmigranten“  in die Arbeitslosigkeit drängen würden. Vielmehr ist es der Zustrom aus Rumänien, Ungarn, gefolgt von Deutschland und Kroatien. Die Mitglieder der größten Migrantengruppe, die Deutschen, haben die geringstem Probleme sich in den österreichischen Arbeitsmarkt zu integrieren. Auch die zweitgrößte Gruppe, die Migranten aus dem ehemaligen Jugoslawien, haben besser Jobs erwischt, als die drittgrößte, die Türken. Diese Tatsachen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Denn laut einer Statistik Austria Befragung für 2014 gibt es Unterschiede zwischen den Herkunftsländer Serbien und Bosnien-Herzegowina. Sowohl bei der Erwerbsquote als auch bei der Arbeitslosenrate weisen Serben ähnlich schlechte Ergebnisse auf wie die Türken. Für Zuwanderer aus Bosnien-Herzegowina unterscheiden sich die Zahlen kaum von jenen der Österreicher. So werden Serben und Türken auf dem Arbeitsmarkt immer weiter zurück gedrängt und durch Personen mit besseren Qualifikationen ersetzt. Während die Gastarbeiter aus der Türkei und Ex-Jugoslawien am Wirtschaftsboom Österreichs in den 60ern beteiligt waren, gibt es keinen Platz mehr am Arbeitsmarkt, weder für sie noch für ihre Nachkommen.

Wie aus einer Studie der Lehrlingsausbildung hervorgeht, sind Migranten stark unterrepräsentiert. Der Anteil von Jugendlichen mit nichtdeutscher Muttersprache an den Berufsschulen lag 2012 bei nur 9,4 Prozent, an AHS-Oberstufen  14,2 Prozent  und an berufsbildenden höheren Schulen  12 Prozent. Generell würde der Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ab der neunten Schulstufe drastisch sinken, laut Studie.  Man gehe davon aus, dass rund ein Drittel bis maximal die Hälfte der Jugendlichen mit Migrationshintergrund ohne weiterführenden Bildungsabschluss aus dem Bildungssystem ausscheiden.

Die Angst vom Abstieg