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Armutsrisiko

Armutsfalle Kroatien: Jeder Fünfte lebt am Existenzminimum

Armutsfalle Kroatien: Jeder Fünfte lebt am Existenzminimum
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4 Min. Lesezeit |

Während Europa mit Armut kämpft, trifft es Kroatien besonders hart: Fast 22 Prozent der Bevölkerung leben am Existenzminimum – mit dramatischen regionalen Unterschieden.

Im vergangenen Jahr waren laut Eurostat 21 Prozent der EU-Bevölkerung von Armut bedroht. Das Europäische Statistische Amt veröffentlichte am Freitag Daten, wonach in 93 von 243 EU-Regionen die Armuts- oder Sozialausgrenzungsquoten über dem europäischen Durchschnitt liegen. Zu diesen Regionen zählt auch das pannonische Kroatien. Landesweit waren in Kroatien insgesamt 810.000 Menschen – entsprechend 21,7 Prozent der Bevölkerung – armutsgefährdet. Im Vergleich dazu lag dieser Wert 2021 bei 20,9 Prozent.

Diese Kennzahl erfasst jenen Bevölkerungsanteil, dessen verfügbares Einkommen unter die Armutsgefährdungsschwelle fällt. Diese Schwelle wurde im Vorjahr mit durchschnittlich 617 Euro monatlich für Einzelpersonen und rund 1.300 Euro für Haushalte mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern festgelegt.

Regionale Unterschiede

Die kritischste Situation verzeichnete im Vorjahr das pannonische Kroatien, das die Gespanschaften Bjelovar-Bilogora, Virovitica-Podravina, Pozega-Slawonien, Brod-Posavina, Osijek-Baranja, Vukovar-Srijem, Karlovac und Sisak-Moslavina umfasst. In dieser Region waren 31 Prozent der Einwohner armutsgefährdet – ein Anstieg gegenüber 28,6 Prozent im Jahr 2021. Vor drei Jahren betrug die Armutsgrenze für einen Einpersonenhaushalt noch 403 Euro und für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern 847 Euro.

Heute liegt diese Schwelle um 53 Prozent höher. Die Inflation hat erhebliche Auswirkungen gezeigt und zur weiteren Verarmung vieler Haushalte beigetragen.

Im adriatischen Kroatien betrug der Anteil armutsgefährdeter Personen im Vorjahr 22,9 Prozent, während er 2021 noch unter 20 Prozent lag. Den dramatischsten Anstieg verzeichnete die Küstenregion, wo heute bis zu 15 Prozent mehr Menschen einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind.

In Zagreb belief sich der Anteil der armutsgefährdeten Bevölkerung im Vorjahr auf 11,1 Prozent, verglichen mit 13,3 Prozent vor drei Jahren. In Nordkroatien lag dieser Wert im Vorjahr bei 18,3 Prozent, während für 2021 ein Wert von 19,8 Prozent prognostiziert wird. Die Hauptstadt und ihr Umland bewältigen die inflationsbedingten Herausforderungen offenbar deutlich besser als andere Landesteile.

Im vergangenen Jahr existierten 25 EU-Regionen, in denen mindestens ein Drittel der Bevölkerung von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht war. Diese Regionen konzentrieren sich vorwiegend in Griechenland, Bulgarien, Spanien, Italien und Rumänien. Mit 31 Prozent gefährdeter Bevölkerung liegt das pannonische Kroatien nur knapp unter dieser kritischen Schwelle.

Lokale Extremwerte

Eine von der Weltbank in Zusammenarbeit mit kroatischen Institutionen 2016 veröffentlichte Studie mit dem Titel „Armutskarte Kroatiens“ zeigt eine Konzentration von Armutsrisiken in bestimmten kleineren territorialen Einheiten.

In dieser Analyse traten einige Gemeinden und Städte besonders hervor. Die Gemeinde Cabar erwies sich mit einer Armutsgefährdungsquote von nur 4,70 Prozent als die am wenigsten betroffene in ganz Kroatien. Ähnlich niedrige Werte wiesen Senkovec (6,80 Prozent), Medulin (6,20 Prozent), Buzet (6,90 Prozent) und Dubrovnik (7,80 Prozent) auf.

Unter Berücksichtigung der angewandten statistischen Methodik und des möglichen Standardfehlers wurde für die Gemeinde Cabar sogar ein faktischer Armutsanteil von 0,0 Prozent ermittelt. Dies deutet darauf hin, dass in dieser damals etwa 3.700 Einwohner zählenden Gemeinde praktisch keine Armut existierte.

Die höchsten Armutsquoten verzeichneten laut dieser Analyse hingegen Vocin mit bis zu 74 Prozent, Civljane (64 Prozent), Okucani (63,10), Jagodnjak (62,20), Viljevo (61,10), Donji Kukuruzari (61), Levanjska Varos (60,50) und Gunja (60,30 Prozent).

Wie stellt sich die Situation im Norden Kroatiens dar? Dieselbe „Armutskarte“ weist für Djurdjevac eine Quote von 24 Prozent aus, für Cakovec 17,20 Prozent, für Koprivnica 14,70 Prozent, für Krizevci 15,10 Prozent und für Varazdin 10,20 Prozent.

In Zagreb waren die Stadtbezirke Pescenica-Zitnjak sowie Gornja und Donja Dubrava mit Armutsquoten von etwa 16 Prozent am stärksten betroffen. Die niedrigsten Werte wiesen die Stadtteile Podsljeme (4,90 Prozent), Gornji Grad – Medvescak (5,50), Novi Zagreb – Istok (6,60) und Donji Grad (6,90 Prozent) auf.

Die geschätzten Armutsquoten in den damaligen drei statistischen Regionen Kroatiens lagen 2011 bei 10,3 Prozent in Nordwestkroatien, 28,1 Prozent in Mittel- und Ostkroatien und 12,6 Prozent in der Adriaregion. Gemessen an der Armutsgefährdungsschwelle betrug der Anteil der Armen in Kroatien in jenem Jahr schätzungsweise 16,3 Prozent.

Nach den aktuellen Eurostat-Daten vom Freitag liegt diese Quote heute bei fast 22 Prozent. Obwohl sich die Berechnungsmethoden im Laufe der Zeit möglicherweise verändert haben, was direkte Vergleiche erschwert, ist der negative Trend unverkennbar.

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KO KOSMO-Redaktion
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