Ein Schritt ohne Badeschuh, eine winzige Wunde – und ein Österreicher verliert innerhalb weniger Jahre beide Unterschenkel.
Ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit – und das Leben eines Österreichers nimmt eine Wendung, die er sich in seinen schlimmsten Vorstellungen nicht hätte ausmalen können. Eine winzige Verletzung, entstanden beim Baden im Meer, löst eine Infektionskaskade aus, die schließlich mit zwei Amputationen endet.
Sommer 2021, Biograd na Moru. Johannes Hebenstreit verbringt seinen Urlaub auf einem Campingplatz an der kroatischen Küste. Eigentlich ist er es gewohnt, im Wasser Badeschuhe zu tragen – seine Frau hatte ihn dazu angehalten. Doch an jenem Tag liegen die Schuhe im Wohnwagen, und statt sie zu holen, schlüpft er in die Schlapfen aus seiner Badetasche.
Im Wasser verliert er den Halt, rutscht aus dem Schuh und tritt auf etwas Spitzes. Was es war, lässt sich im Nachhinein nicht mehr eindeutig sagen – ein Seeigel oder ein Petermännchen kommen infrage. Der Schmerz hält sich zunächst in Grenzen. „Ich hab nicht viel gespürt“, sagt Hebenstreit gegenüber der Kleinen Zeitung. Am nächsten Morgen entdeckt er lediglich ein kleines Loch an der Fußsohle, desinfiziert die Stelle und klebt ein Pflaster darüber.
Doppelte Amputation
Was harmlos aussieht, entpuppt sich drei Tage später als ernstes medizinisches Problem. Hebenstreit fühlt sich zunehmend schlechter, das Fieber steigt. Seine Stieftochter bringt ihn ins Krankenhaus nach Zadar, während seine Frau parallel einen Rücktransport in die Heimat organisiert.
Ein Rettungsjet fliegt ihn nach Graz. Dort ergibt die Untersuchung ein erschreckendes Bild: Die Infektion hat sich unkontrolliert ausgebreitet. Die Ärzte amputieren zunächst den Vorfuß – doch bereits am Folgetag verschlechtert sich sein Zustand erneut, sodass auch der Unterschenkel entfernt werden muss.
Zwei Jahre nach dem ersten Vorfall trifft es ihn erneut. Diesmal geht es vom rechten Fuß aus – wieder eine zunächst unscheinbar wirkende Verletzung, wieder eine schwere Infektion. Zunächst werden zwei Zehen amputiert, doch die Lage eskaliert: Es entwickelt sich eine lebensbedrohliche Blutvergiftung, verursacht durch Staphylococcus aureus. Auch hier bleibt den Ärzten am Ende keine andere Wahl – der zweite Unterschenkel muss ebenfalls entfernt werden.
Seither bewältigt der 68-Jährige seinen Alltag mit zwei Prothesen. Seine Frau steht ihm dabei zur Seite – beim Treppensteigen geht sie rückwärts vor ihm her, „für den Fall, dass etwas passiert“.
Gefährliche Meeresbewohner
Was die Infektionen in beiden Fällen letztlich ausgelöst hat, konnte nicht abschließend geklärt werden. Das Petermännchen gilt unter Experten als einer der giftigsten Fische Europas: Es lauert häufig verborgen im flachen Wasser und kann bei Berührung schmerzhafte Stiche verursachen, in seltenen Fällen auch schwere allergische Reaktionen auslösen.
Auch Seeigel sind nicht zu unterschätzen – ihre Stacheln können Verletzungen und Entzündungen hervorrufen, manche Arten sind zudem giftig. Der ADAC empfiehlt daher, an Küsten grundsätzlich Badeschuhe mit fester Sohle zu tragen und sich vor dem Urlaub über mögliche Risiken zu informieren.