Auf Österreichs modernster Bahnstrecke wird es eng: Ein neuer Mitbewerber rollt an – und macht Tempo.
Die Österreichischen Bundesbahnen bekommen auf der Südbahn – der Verbindung von Wien über Graz und Klagenfurt bis nach Villach – künftig Konkurrenz durch die Westbahn. Das mehrheitlich private Unternehmen, das dem Industriellen Hans Peter Haselsteiner gehört und an dem auch die französische Staatsbahn SNCF beteiligt ist, war bislang ausschließlich auf der Weststrecke von Wien über Linz nach Salzburg und weiter in Richtung Westen aktiv.
Den Betrieb auf der neuen Strecke nimmt die Westbahn am Sonntag mit ersten Zügen auf; ab Ende Mai sollen täglich fünf Verbindungen je Fahrtrichtung angeboten werden. Zum Vergleich: Die ÖBB bieten auf der Südbahnstrecke Wien–Klagenfurt täglich 26 Verbindungen an. Die Teilstrecke zwischen Graz und Klagenfurt wird bereits von bis zu 7.000 Passagieren täglich genutzt. Die Profitabilität peilt das Unternehmen binnen drei Jahren an.
Neue Arbeitsplätze
Mit der Streckenerweiterung entstehen laut Westbahn rund 100 neue Arbeitsplätze, wie das Unternehmen auf Anfrage der Austria Presse Agentur mitteilte. Die Gewinnschwelle werde voraussichtlich im dritten Betriebsjahr erreicht – unter Umständen auch etwas früher.
Für drei neue Züge des Schweizer Herstellers Stadler investiert die Westbahn 120 Millionen Euro. Dass der Einstieg auf der Südstrecke nicht früher erfolgte, lag allein an den Lieferzeiten der Fahrzeuge – Haselsteiner hatte bei der Ankündigung der neuen Verbindungen erklärt, man wäre andernfalls auch zu einem früheren Zeitpunkt gestartet. Die Züge sind auf sechs Jahre geleast, mit der Option, sie anschließend zu erwerben oder den Leasingvertrag zu verlängern.
Schnellste Züge Österreichs
Die Stadler-Garnituren bieten 422 Sitzplätze und erreichen auf der Koralmstrecke Geschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern – jener Infrastruktur, die die Südverbindung für das Unternehmen überhaupt erst wirtschaftlich attraktiv macht. Die Westbahn bezeichnet ihre Züge als die schnellsten Österreichs.
Ohne den Koralmtunnel – und noch steht auch der Semmeringbasistunnel aus – war die für die Steiermark und Kärnten zentrale Strecke ausschließlich von den ÖBB bedient worden, deren Züge mit bis zu 230 Stundenkilometern unterwegs sind. Die Fahrzeit zwischen Wien und Klagenfurt beträgt bei beiden Anbietern rund drei Stunden.
Mittelfristig könnten weitere Bahnunternehmen Interesse an der Südstrecke anmelden.