Der Countdown läuft: Ab Freitag verkündet die US-Regierung ihre neuen Strafzölle. Für Österreichs Exportwirtschaft steht viel auf dem Spiel.
Ab Freitag will die US-Regierung ihre Handelspartner über die konkreten Strafzölle informieren, die ab 1. August auf Importe in die USA erhoben werden. Dies erklärte der US-Präsident gegenüber Journalisten, wie Bloomberg berichtet. Mit seiner Zollpolitik hat der US-Präsident weltweit für Spannungen mit Handelspartnern gesorgt. Nachdem Trump Anfang April zunächst massive Zusatzzölle gegen zahlreiche Länder verhängt hatte, senkte er diese kurzzeitig für einen Zeitraum von 90 Tagen auf zehn Prozent. Für spezifische Warengruppen gelten jedoch höhere Sätze: 25 Prozent bei Automobilen sowie 50 Prozent für Produkte aus Stahl und Aluminium.
Eine von Donald Trump festgelegte Deadline im Zollkonflikt mit verschiedenen Handelspartnern, darunter auch die Europäische Union und somit Österreich, endet am 9. Juli. Trump hat der EU mit einer Verfünffachung der Zölle auf 50 Prozent gedroht, falls bis zu diesem Stichtag keine Einigung mit den USA erzielt wird – ließ jedoch durchblicken, dass eine Fristverlängerung möglich sei. Selbst der aktuelle Basiszollsatz von zehn Prozent, den Trump für die meisten Waren eingeführt hat, liegt bereits deutlich über dem vorherigen Niveau.
Diplomatische Bemühungen
Die betroffenen Länder bemühen sich derzeit um Abkommen mit den USA, um Zollerhöhungen abzuwenden. Laut US-Regierungsvertretern könnten in den nächsten Tagen mehrere Handelsvereinbarungen verkündet werden. Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer betonte: „Exportwirtschaft ist die Grundlage unseres Wohlstands.“ Sechs von zehn Euro würden in Österreich durch Exporte erwirtschaftet. Der amerikanische Markt nehme für Österreich einen besonderen Stellenwert ein, weshalb man nicht auf Konfrontation setze, sondern Lösungen am Verhandlungstisch anstrebe.
Zollhöhen variieren
Der US-Präsident hat bislang keine konkreten Angaben gemacht, welche Nationen mit welchen Zollsätzen belegt werden. Die ersten zehn bis zwölf Benachrichtigungen sollen am Freitag verschickt werden, gefolgt von Mitteilungen über Strafzölle für die übrigen Länder in den darauffolgenden Tagen. „Sie reichen von 10 oder 20 Prozent bis 60 oder 70 Prozent“, erklärte Donald Trump.
Diese Höchstwerte würden damit sogar die Tarife übersteigen, die Trump im Rahmen des „Liberation Day“ (Tag der Befreiung, von Trump ausgerufener Handelspolitik-Tag) im April angekündigt hatte.
Folgen für die heimische Wirtschaft
Besonders stark könnte es österreichische Maschinenbauer und die Automobilzulieferindustrie treffen, die zu den wichtigsten Exportbranchen des Landes zählen. Die bereits angekündigten 25 Prozent Zoll auf Automobile würden nicht nur direkte Exporte belasten, sondern auch die Zulieferkette heimischer Unternehmen, die an europäische Automobilhersteller liefern. Wirtschaftsexperten rechnen mit spürbaren Auswirkungen auf die Kostenstruktur, die letztlich auch an die Verbraucher weitergegeben werden könnten.
Die EU und damit auch Österreich setzen große Hoffnungen in die laufenden Verhandlungen mit den USA. In Brüssel arbeiten Handelsexperten mit Hochdruck daran, ein bilaterales Abkommen zu erreichen, das europäische Unternehmen von den drohenden Strafmaßnahmen ausnehmen würde. Falls dies nicht gelingt, könnten die angekündigten Zölle nicht nur direkte finanzielle Auswirkungen haben, sondern auch die internationalen Lieferketten empfindlich stören.