Tickender Wecker und blinkende Tasche in der Karlskirche lösten Großalarm aus. Hinter der Aktion steckt offenbar ein gezielter Versuch, eine Massenpanik zu provozieren.
Am Samstag herrschte in der Wien-Wieden Karlskirche plötzlich Alarmstimmung. Während einer Messe entdeckte ein Gottesdienstbesucher ein verdächtiges Ticken in einem unbeaufsichtigten Rucksack. Das rhythmische Geräusch drang am Vormittag aus einer Tasche in der Nähe des Opferstocks. Ein beherzter Kirchgänger reagierte umgehend, griff in die Tasche und deaktivierte den darin befindlichen Wecker – vermutlich um den Gottesdienst nicht zu stören.
Die Situation verschärfte sich jedoch, als kurz darauf eine weitere verdächtige Tasche entdeckt wurde. Diese blinkte und war hinter einer Säule versteckt – ein Fund, der sofort höchste Alarmstufe auslöste. Spezialkräfte der Cobra wurden angefordert. Nach Einschätzung der Ermittler der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) sollte durch diese Aktion gezielt Panik ausgelöst werden.
Der Vorfall ereignete sich während einer um 11 Uhr stattfindenden „Messe für das ungeborene Leben“, die der ehemalige St. Pöltner Bischof Klaus Küng leitete. Offenbar sollte eine Massenpanik provoziert werden, die auch den später geplanten „Marsch fürs Leben“ beeinträchtigen sollte. Dieser umstrittene Demonstrationszug, bei dem jährlich tausende Menschen gegen Abtreibung protestieren, begann nur wenige Stunden später um 13:30 Uhr am Wien-Wieden Karlsplatz.
Politischer Kontext
Die diesjährige Veranstaltung stand im Kontext der aktuellen Diskussion über eine mögliche Liberalisierung der Abtreibungsgesetze in Österreich. Bereits im Vorfeld waren in sozialen Medien Aufrufe zu Störaktionen aufgetaucht. Besonders für Aufsehen sorgte ein Instagram-Beitrag der Gruppe „Marsch Fürn Arsch Wien (MfA)“, der die Karlskirche in Flammen zeigte.
Die Hintermänner der platzierten Taschen sind bislang unbekannt. Die Untersuchungen ergaben, dass kein Sprengstoff vorhanden war. Dennoch gehen die Ermittler davon aus, dass die harmlosen Geräte strategisch positioniert wurden, um Massenpanik zu verursachen. Marek Pucalik und Johannes Pasquali vom Verein der Freunde der Wien-Wieden Karlskirche reagierten erschüttert: „Das ist ein gewalttätiger Angriff auf die freie Religionsausübung als Grund- und Menschenrecht.“
Scharfe Reaktionen
Jan Ledochowski, Vorsitzender der Meldestelle christenschutz.at, verurteilte den Vorfall: „Wir verurteilen diesen Versuch, unschuldige Menschen einzuschüchtern und das Recht auf Versammlungsfreiheit zu stören, aufs Schärfste. Die Entdeckung dieser Bombenattrappe markiert eine neue, erschreckende Eskalationsstufe der Feindschaft gegenüber Christen. Ich mache mir wirklich Sorgen, was als Nächstes folgen könnte.“ Auch die ÖVP-Politikerin Caroline Hungerländer meldete sich zu Wort: „Als Teilnehmerin des ‚Marsches für das Leben‘ bin ich erschüttert über diese beispiellose Eskalation.“
Hier sollten Menschen mit Gewaltandrohung zum Schweigen gebracht werden.