Start NEWS PANORAMA Bosnier in Wien fordern erneut Gerechtigkeit für zwei getötete Männer
KUNDGEBUNG

Bosnier in Wien fordern erneut Gerechtigkeit für zwei getötete Männer

Erneut sind am Samstag Demos am Wiener Heldenplatz geplant. (Foto: Hanna Begic)

Die Forderungen der Menschen nach Aufklärung der merkwürdigen Umstände des Todes zweier 21-Jähriger flauen nicht ab. Nach wie vor sind die Fälle offiziell nicht geklärt. Auch in Wien protestiert die bosnische Diaspora bereits zum zweiten Mal.

Nach den gewaltsamen Todesfällen zweier 21-jähriger Männer bekunden in Wien lebende Bosnier bereits zum zweiten Mal ihre Solidarität mit deren Angehörigen, die Gerechtigkeit fordern. Sie sind davon überzeugt, dass die korrupte Polizei hier Mordfälle vertuschen will. Die Solidaritätskundgebung am Heldenplatz wird bereits zum zweiten Mal organisiert. Mitte Mai versammelten sich über 150 Menschen, um die Familien der ermordeten Männer, Dzenan Memic und David Dragicevic (KOSMO hat berichtet) zu unterstützen.

Am 18. März verschwand der 21-jährige Student, David Dragicevic, in Banja Luka. Sechs Tage später wurde er in einem knöcheltiefen Bach in der Nähe seiner Stadt tot aufgefunden. Der zuständige Pathologe Zeljko Karan, Leiter der Gerichtsmedizin in Banja Luka, belegte, dass der 21-Jährige ertrunken sei. Der junge Mann trug am gesamten Körper Spuren von brutalen Schlägen. Seine Familie, Freunde und Menschen sowohl in Bosnien als auch außerhalb der Landesgrenzen, die Gerechtigkeit fordern, haben den Verdacht, dass in diesem Fall etwas vertuscht wird. Am Samstag wird an der Kundgebung in Wien auch David Dragicevis Vater anwesend sein.

Dzenan Memic war ebenso erst 21 Jahre alt, als er bei einem abendlichen Spaziergang im Februar 2016 mit seiner Freundin Alisa M., schwer verletzt wurde. Er erlag den schweren Verletzungen. Zunächst sprach die Staatsanwaltschaft von einem Autounfall mit Fahrerflucht, dann von Mord und dann wieder von einem Autounfall. Memic trug schwere Kopfverletzungen davon, die von einem Autounfall nicht entstehen konnten, besagen Gutachter. Seine Begleiterin Alisa M. behauptet sich an nichts erinnern zu können. Angeklagt wurde der Roma Ljubo S., der in der Nähe des Tatorts lebt. Dzenan Memics Familie glaubt nicht, dass Ljubo S. etwas mit dem Tod von Dzenan zu tun hat. Auch hier sind die Gutachten widersprüchlich, auch hier vermutet die Familie einen Vertuschungsversuch. Das Vertrauen der Bosnier in die Polizei und Justiz ist kaum vorhanden.

Die bosnische Diaspora ist europaweit alarmiert und versucht durch Kundgebungen auf die Missstände aufmerksam zu machen. Am Samstag, den 9. Juni, findet die nächste Demo am Wiener Heldenplatz statt. Denn die Tradgödien um David und Dzenan werfen Licht auf die Probleme Bosnien-Herzegowinas auf: die mangelnde Professionalität, die Korruption sowie die Vetternwirtschaft im Justizsystem.