Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Brandgefahr

Brandgefahr im Müll: Bares Geld für alte Akkus geplant

3 Min. Lesezeit |

Brennende Recyclinganlagen, verrauchte Täler: Lithium-Ionen-Akkus sorgen für Alarmstufe Rot in Österreich. Jetzt reagiert die Politik mit einem ungewöhnlichen Plan.

In Österreichs Recyclinganlagen häufen sich die Alarmmeldungen: Mehrmals täglich brechen kleinere Feuer aus, immer wieder kommt es zu verheerenden Großbränden. Der Hauptverursacher dieser gefährlichen Entwicklung sind falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus, die in zahlreichen Alltagsgeräten verbaut sind. Ein besonders dramatisches Beispiel lieferte der Großbrand in Tirol im vergangenen August, als dichter Rauch ein ganzes Tal über mehrere Tage hinweg einhüllte.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Laut Studien der Montanuniversität Leoben hat sich die Zahl der Brände in österreichischen Recyclingbetrieben innerhalb von zehn Jahren mehr als verfünffacht. Aktuell werden bis zu sechs Brandherde pro Tag in Entsorgungs- oder Recyclingbetrieben registriert.

Umweltminister Norbert Totschnig hat nun auf die Brandserie reagiert und zentrale Akteure zu Beratungen ins Ministerium eingeladen. Als erste konkrete Maßnahme kündigte er eine umfassende Informationskampagne für das kommende Jahr an. Diese soll das öffentliche Bewusstsein für den korrekten Umgang mit ausrangierten Batterien schärfen und die Bevölkerung über sachgerechte Entsorgungswege aufklären.

Cash-Back-Modell gegen Entsorgungsproblem

Weitaus innovativer erscheint jedoch der Vorschlag eines finanziellen Anreizsystems. Das präsentierte „Cash-Back-Modell“ soll Verbraucher motivieren, ihre ausgedienten Lithium-Batterien gezielt zurückzugeben. Fachleute prüfen derzeit die praktische Umsetzbarkeit dieses Konzepts, wie das Umweltministerium mitteilt. Parallel dazu strebt Österreich eine länderübergreifende Lösung auf EU-Ebene an.

Ein solches System wäre dringend nötig: 2022 wurden in Österreich über 7.100 Tonnen Gerätebatterien in Umlauf gebracht, aber nur 2.800 Tonnen getrennt gesammelt. Damit wurde die von der EU geforderte Mindestsammelquote von 45 Prozent zum dritten Mal in Folge verfehlt und lag lediglich bei 44 Prozent.

„Durch unser gemeinsames Vorgehen wollen wir künftige Brände weitestgehend verhindern und gleichzeitig Sicherheit, Umweltschutz sowie Planungssicherheit für die betroffenen Unternehmen gewährleisten“, fasst Minister Totschnig zusammen. „Der Runde Tisch war ein konstruktiver gemeinsamer Auftakt für die Erarbeitung von konkreten Lösungen.“

Branchenreaktionen

Gabriele July, Präsidentin des Verbands österreichischer Entsorgungsbetriebe, unterstreicht die Dringlichkeit: „Batteriebrände sind die aktuell größte Gefahr für die Abfallwirtschaft.“ Dass jetzt die Einführung eines Cashback-Systems als unbürokratischer Anreiz für die Rückgabe von Altbatterien am Tisch liegt, sei sehr zu begrüßen. Studien zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Einführung eines Batteriepfands zur Brandvermeidung befürwortet.

Auch WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger betont die Komplexität der Herausforderung: „Der heutige Runde Tisch hat deutlich gezeigt, dass es nicht die eine Lösung gibt, sondern an mehreren Stellschrauben gedreht werden muss.

Dafür sind entsprechende Maßnahmen zu entwickeln.“

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen