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Regierungskrise

Brennende Politikerhäuser: Nepals Regierungschef wirft hin

Brennende Politikerhäuser: Nepals Regierungschef wirft hin
(Foto: EPA/NARENDRA SHRESTHA)
4 Min. Lesezeit |

Nepals Premierminister KP Sharma Oli hat nach einer Welle gewaltsamer Anti-Korruptions-Proteste sein Amt niedergelegt. „Der Premierminister hat seinen Rücktritt eingereicht“, bestätigte sein Assistent Prakash Silwal am Dienstag gegenüber Reuters.

Aus der Hauptstadt Kathmandu wurden Rauchsäulen über den Dächern gemeldet, während die Ausschreitungen weiter eskalierten. Demonstranten hatten zuvor mehrere bedeutende Gebäude in Brand gesetzt, darunter auch Wohnhäuser von Politikern.

Olis Rücktritt erfolgte, nachdem Demonstranten eine verhängte Ausgangssperre missachtet und sich Zusammenstöße mit Sicherheitskräften geliefert hatten. Erst am Vortag waren 19 Menschen bei Protesten ums Leben gekommen, die durch ein Verbot sozialer Medien ausgelöst worden waren. Die Regierung hatte das Verbot zwar aufgehoben, doch die Lage eskalierte weiter, als die Polizei am Montag mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Demonstranten vorging, die versuchten, ins Parlament einzudringen.

Bei den heutigen Ausschreitungen kamen laut Mohan Regmi, Geschäftsführer des Civil Service Krankenhauses, mindestens zwei weitere Menschen ums Leben. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 21. Derzeit werden 90 Verletzte in Krankenhäusern behandelt.

Eskalation der Gewalt

Die gegenwärtigen Unruhen gelten als die schwersten, die Nepal seit Jahrzehnten erlebt hat. Der Himalaya-Staat kämpft seit der Abschaffung der Monarchie im Jahr 2008 mit wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Instabilität. Vor seinem Rücktritt hatte Oli am Dienstag noch ein parteiübergreifendes Treffen einberufen und erklärt, Gewalt sei nicht im Interesse Nepals. „Wir müssen zu einem friedlichen Dialog übergehen, um Lösungen für jedes Problem zu finden“, sagte er.

Trotz dieser Bemühungen hielt der Zorn gegen die Behörden an. Demonstranten versammelten sich vor dem Parlament und an anderen strategischen Punkten in Kathmandu. Einige zündeten Reifen an, bewarfen Polizisten mit Steinen und verfolgten sie durch die Straßen. Augenzeugen berichteten, dass Wohnhäuser mehrerer Politiker in Brand gesetzt wurden.

Mindestens fünf Minister mussten mit Militärhubschraubern aus ihren Wohnsitzen evakuiert werden, nachdem Demonstranten gezielt Häuser von Politikern angegriffen hatten. Armeehelikopter von den Ministerquartieren in Bhaisepati kamen zum Einsatz, um die Sicherheit der Regierungsmitglieder zu gewährleisten. Der gescheiterte Versuch der Regierung, soziale Medien zu verbieten, traf in Nepal einen besonders empfindlichen Nerv: Das Land weist eine der höchsten Raten an Social-Media-Nutzern pro Kopf in Südasien auf.

Nach Olis Rücktritt traten auch mehrere Kabinettsmitglieder zurück, darunter Innenminister Ramesh Lekhak, Landwirtschaftsminister Ramnath Adhikari und Wasserminister Pradeep Yadav. Sie begründeten ihren Schritt mit der Verantwortung für die Todesopfer und der Kritik am harten Vorgehen der Regierung.

Nepo-Kids-Bewegung

Laut dem aktuellen Bericht von DataReportal gab es im Jänner 2025 in Nepal 14,3 Millionen Nutzer sozialer Medien – das entspricht 48,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Im Vergleich dazu liegt der Anteil aktiver Social-Media-Nutzer im benachbarten Indien bei nur 33,7 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit bei den 15- bis 24-Jährigen in Nepal betrug 2024 laut Weltbank-Daten 20,8 Prozent, wobei viele junge Menschen gezwungen sind, für Arbeit ins Ausland zu gehen.

Mittlerweile stammen mehr als ein Drittel (33,1 Prozent) des nepalesischen Bruttoinlandsprodukts aus Überweisungen von Auslandsnepalesen. Mit Blick auf die aktuellen Proteste räumte NP Saud, Führungsfigur des nepalesischen Kongresses und ehemaliger Außenminister, die Probleme mit Korruption und Vetternwirtschaft ein, die durch den Jugendaufstand thematisiert wurden. „Dies ist seit langem ein zentrales Thema in der nepalesischen Politik“, erklärte er.

Pradeep Gyawali, führendes Mitglied der Kommunistischen Partei Nepals und ebenfalls ehemaliger Außenminister, plädierte dafür, vermeintliche Fälle von Vetternwirtschaft differenziert zu betrachten. „Das Gesetz besagt nicht, dass qualifizierten Personen Chancen verwehrt werden sollten, nur weil sie Kinder von Führungspersönlichkeiten sind“, argumentierte er.

„Diese landesweiten Proteste, angeführt von der Generation Z, richten sich hauptsächlich gegen eine bestimmte Gruppe: die ‚Nepo-Kinder‘.“ Nachkommen wohlhabender Politiker und einflussreicher Persönlichkeiten, die offensichtlich von Vetternwirtschaft profitieren, werden weithin kritisiert. Demonstranten werfen ihnen vor, in sozialen Medien mit Luxusgütern, teuren Urlauben und einem verschwenderischen Lebensstil zu prahlen.

Für viele unterstreicht diese unverhohlene Zurschaustellung von Reichtum und Privilegien die Kluft zwischen Arm und Reich in Nepal sowie die systemische Korruption, die nach Ansicht der Protestierenden den Lebensstil vieler dieser „Nepo-Kinder“ finanziert.

Inzwischen ist der Hashtag #NepoKids in den sozialen Medien an die Spitze der Trends geklettert.

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KO KOSMO-Redaktion
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