Monatelang ertrug sie Gewalt und Drohungen, bis ihr Haus in Flammen stand. Nun steht der Ex-Partner der schwangeren Slowakin vor Gericht – und könnte in eine forensische Einrichtung kommen.
Eine schwangere Frau in Deutschfeistritz durchlebte monatelang einen Albtraum aus Gewalt und Einschüchterung. Erst als ihr Wohnhaus am Nationalfeiertag in Flammen stand, endete ihr Leidensweg. Nun muss sich ihr ehemaliger Partner vor dem Landesgericht verantworten.
Der 26. Oktober 2024 markierte einen Wendepunkt im Leben der jungen Slowakin. In den frühen Morgenstunden legte ihr Ex-Lebensgefährte mehrere Brände rund um das Wohnhaus, blockierte Abflüsse und platzierte brennende Kerzen im Luftschacht. Die Staatsanwaltschaft Graz betont: „Es war nur Zufall, dass es beim Versuch blieb, weil Anrainer und Polizei einschritten.“
Die aufmerksamen Nachbarn, die am Morgen des Nationalfeiertags den Brand entdeckten, wurden vermutlich zur Lebensrettung für die schwangere Frau. Mit diesem Brandanschlag kam auch die monatelange Tortur ans Licht, der die Slowakin ausgesetzt war.
Systematische Misshandlung
Ein psychiatrisches Gutachten attestiert dem 30-jährigen Jemeniten eine schwerwiegende psychische Störung mit narzisstischen Zügen. Diese trieb ihn offenbar dazu, seine Partnerin systematisch zu misshandeln. Er soll sie gewürgt, geschlagen, vergewaltigt und mit dem Tod bedroht haben. „Ich werde dir den Kopf abschneiden und ihn deiner Mutter bringen“, lautete eine seiner Drohungen.
Er kündigte an, alle umzubringen und in Brand zu setzen – selbst die Katze der Frau versuchte er zu töten. Die Gewalt des arbeitslosen Mannes richtete sich nicht nur gegen seine schwangere Partnerin, sondern auch gegen deren minderjährige Tochter im Teenageralter. Der 30-Jährige bedrohte und verletzte das Mädchen mehrfach.
Die massiven Einschüchterungen hielten die Frau davon ab, Hilfe bei der Polizei zu suchen – zu groß war ihre Angst vor Vergeltungsmaßnahmen gegen sie und ihre Familie. Nach den Ermittlungen der Brandgruppe des Landeskriminalamts wurde der Verdächtige festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Damit waren die Slowakin und ihre Angehörigen endlich außer Gefahr.
Wie später bekannt wurde, befürchtete die Frau massive Vergeltungsmaßnahmen durch den Täter, sollte sie Hilfe suchen. Insbesondere sorgte sie sich um das Leben ihres ungeborenen Kindes und ihrer Tochter. Erst nachdem der Mann in Gewahrsam war, offenbarte sie den Behörden das gesamte Ausmaß der Misshandlungen.
📍 Ort des Geschehens
Gerichtliche Aufarbeitung
Die Gefährlichkeit des mutmaßlichen Brandstifters zeigte sich auch in der Haft, wo er einem Mitgefangenen die Nase und mehrere Rippen brach. Der Beschuldigte, für den die Unschuldsvermutung gilt, bagatellisiert die Vorwürfe: Er habe niemanden verletzt. „Wir haben uns im Streit nur gegenseitig gestoßen.“
Die Verletzungen der Tochter stammten seiner Aussage nach von einem Sturz. Den Brandanschlag streitet er ebenfalls ab – er habe lediglich Müll verbrannt. Am Freitag findet die Verhandlung am Landesgericht Graz statt.
Aufgrund der erheblichen Gefahr, die von dem Mann ausgeht, wird eine Einweisung in eine forensische Einrichtung angestrebt. Die Staatsanwaltschaft Graz prüft eine dauerhafte Unterbringung in einer forensisch-therapeutischen Einrichtung. Unmittelbar nach dem Vorfall reagierten die Behörden mit einem Betretungs- und Annäherungsverbot sowie einem Waffenverbot gegen den 29-jährigen Verdächtigen.