Von großzügigen Amerikanern bis zu trinkgeldfreien Skandinaviern – die weltweiten Gepflogenheiten beim Bezahlen variieren stark und können für Reisende zur Herausforderung werden.
Das Vorurteil der deutschen Sparsamkeit beim Trinkgeld gehört der Vergangenheit an. Doch wie orientiert man sich im internationalen Trinkgeld-Dschungel? Unser Überblick schafft Klarheit über die weltweiten Gepflogenheiten.
In den Vereinigten Staaten bildet das Trinkgeld einen wesentlichen Teil des Einkommens für Servicepersonal. Angemessen sind 15 bis 20 Prozent der Rechnungssumme. Eine Besonderheit ist das „tipping in advance“ (Trinkgeld im Voraus), wodurch sich Gäste bevorzugte Plätze sichern können. Selbst bei Kaffeehausketten wie Starbucks erscheinen mittlerweile beim Kartenzahlen Trinkgeld-Optionen – diese können jedoch problemlos abgelehnt werden. Der Grund für diese Trinkgeldkultur liegt im US-amerikanischen Lohnsystem: Die Grundgehälter in der Gastronomie sind oft derart niedrig angesetzt, dass sie ohne Trinkgeld kaum existenzsichernd wären. Weniger als 15 Prozent zu geben wird dabei als Zeichen von Unzufriedenheit gewertet, und kein Trinkgeld zu hinterlassen gilt als ausgesprochen unhöflich.
Die griechische Gastronomie schätzt Trinkgelder als wichtige Ergänzung zu den oft niedrigen Gehältern. Bei zufriedenstellendem Service sind fünf bis zehn Prozent angebracht. In gehobenen Etablissements oder Bars dürfen es auch zehn oder sogar 20 Prozent sein, während in einfacheren Lokalen das Aufrunden genügt.
Frankreich pflegt seine eigene Trinkgeld-Etikette: Das direkte Überreichen des „pourboire“ (Trinkgeld) an den Kellner gilt als Fauxpas – stattdessen lässt man es diskret auf dem Tisch zurück. Manche Einrichtungen verbieten Trinkgelder sogar explizit mit dem Hinweis „Pourboire interdit“. Generell sind fünf bis zehn Prozent üblich, manchmal reicht auch das Aufrunden. Bei bereits inkludierter Servicegebühr (15 Prozent) entfällt die Notwendigkeit eines zusätzlichen Trinkgelds.
Mediterrane Traditionen
In Italien gehören zehn Prozent zum guten Ton – es sei denn, die Rechnung enthält bereits einen „Servizio“-Vermerk. Auch das „Coperto“ (Gedeck-Gebühr inklusive Brot zur Vorspeise) macht zusätzliches Trinkgeld nicht zwingend erforderlich. Dennoch steht es jedem zufriedenen Gast frei, dem „Cameriere“ (Kellner) bei gutem Service etwas auf dem Tisch zurückzulassen.
Österreichische Gastronomiebetriebe und Cafés erwarten üblicherweise fünf bis zehn Prozent Trinkgeld oder ein großzügiges Aufrunden. Auch Hotelpersonal und Taxifahrer freuen sich über eine kleine finanzielle Anerkennung ihrer Dienste.
In der Schweiz ist Trinkgeld häufig bereits im Preis inbegriffen und daher nicht verpflichtend. Wer dennoch seine Zufriedenheit ausdrücken möchte, orientiert sich an etwa zehn Prozent oder rundet auf.
Irland und Großbritannien folgen der Zehn-Prozent-Regel, in gehobenen Lokalen sind 15 Prozent angemessen. In Pubs ist Trinkgeld beim Bestellen an der Bar unüblich – es sei denn, die Getränke werden am Tisch serviert. Auch hier gilt: Bei ausgewiesener „service charge“ entfällt weiteres Trinkgeld.
Weltweite Unterschiede
Kroatische Servicekräfte freuen sich über zehn Prozent Trinkgeld, obwohl es nicht obligatorisch ist. Alternativ sind auch kleinere Beträge oder Aufrunden willkommen. Neben Restaurantpersonal schätzen auch Hotelangestellte und Taxifahrer eine kleine Anerkennung.
In Ägypten spielt das „Bakschisch“ (Trinkgeld) eine zentrale kulturelle Rolle. Zehn bis 15 Prozent sind im Restaurant üblich – selbst wenn bereits eine Servicegebühr berechnet wurde. Wichtig: Das Trinkgeld sollte direkt der Person übergeben werden, die den Service erbracht hat.
Skandinavien entlastet die Reisekasse: In Schweden ist das Trinkgeld bereits in Hotels, Restaurants und Taxis einkalkuliert. Auch in Dänemark und Norwegen gehört es nicht zur gängigen Praxis.
In Costa Rica, Malaysia, Südkorea, Japan, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf den Fidschi-Inseln sind Trinkgelder traditionell nicht üblich – in stark westlich orientierten Einrichtungen können sie jedoch angebracht sein. Ansonsten könnte die gut gemeinte Geste sogar als Beleidigung aufgefasst werden.
Spanien und Portugal kennen keine verbindliche Trinkgeldtradition, dennoch sind fünf bis zehn Prozent bei guter Dienstleistung üblich. Auch das Aufrunden wird geschätzt – allerdings sollte man sich nicht seines Kleingelds entledigen wollen. Interessanterweise variieren die spanischen Trinkgelderwartungen regional stark: Während in touristischen Hotspots wie Barcelona oder Mallorca Servicekräfte häufiger mit Trinkgeld rechnen, ist in ländlichen oder nördlichen Regionen oft nur das Aufrunden üblich. Besonders in touristischen Gebieten sind fünf bis zehn Prozent mittlerweile Standard geworden.
Ein zu geringer Betrag wirkt unhöflicher als gar kein Trinkgeld.