Ein geleaktes Gespräch, brisante Aussagen – und nun schaltet sich auch der Bundeskanzler in die Affäre um Walter Ruck ein.
In der Debatte um Wiens Wirtschaftskammer-Präsident Walter Ruck hat sich nun auch Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) zu Wort gemeldet. Nachdem Stocker zunächst eine öffentliche Stellungnahme vermieden hatte, folgte am Montag doch eine klare Reaktion. „Die medial kolportierten Aussagen sind zutiefst irritierend und widersprechen dem Frauenbild und Politikverständnis der Volkspartei. Alle Vorwürfe müssen aufgeklärt werden. Sollten die Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, kann das nicht ohne Konsequenzen bleiben“, so der Bundeskanzler.
Unmissverständliche Worte fand auch WKO-Präsidentin Martha Schultz. Rucks Aussagen „entsprechen in keiner Weise unserem Weltbild noch unserer Kultur, wie Entscheidungen getroffen werden“. Sie gehe davon aus, dass Ruck Schaden von der Kammer abwenden wolle und „die richtigen Schritte setzen wird“, so Schultz.
„Wir befinden uns mitten in einem Reformprozess, um das in der Vergangenheit verspielte Vertrauen sukzessive wieder zurückzugewinnen. Aus diesem Grund haben mich die Aussagen von Walter Ruck umso mehr getroffen“, heißt es in der Stellungnahme von Schultz. „Ich bin überzeugt davon, dass sich Walter Ruck der Tragweite seiner Äußerungen bewusst geworden ist.“
Rückendeckung für Ruck
„Wir stehen hinter Walter Ruck“, erklärte dagegen Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits am Montag. Seine Bilanz sei zehnmal wichtiger als flapsige Sager. Damit meldete sich eben jene Obmann-Stellvertreterin zu Wort, die laut der geleakten Tonaufnahme bei der Gemeinderatswahl 2025 nicht mehr als ÖVP-Spitzenkandidatin in Wien-Döbling kandidiert hatte, um Rucks Sohn den Platz zu lassen.
„Zu den Berichten über mein Nichtantreten kann ich festhalten, dass es dazu nie ein Gespräch mit Walter Ruck gab und dies meine freie Entscheidung war, nicht als Spitzenkandidatin zur Verfügung zu stehen“, erklärte Kriz-Zwittkovits in einer Aussendung. Die „Kampagne“ gegen Ruck laufe ins Leere, zeigte sie sich überzeugt. Die Tonaufnahme sei „potenziell illegal“. Auch sonst stehe sie hinter dem Wirtschaftskammer-Chef, „weil wir ihn aus jahrzehntelanger Zusammenarbeit genau kennen“.
Entscheidend sei jedoch die gelebte Realität. In dieser habe sie als Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer und langjährige Vorsitzende der Interessenvertretung Frau in der Wirtschaft „stets eine wertschätzende Zusammenarbeit wahrgenommen und einen Präsidenten erlebt, der Frauen bewusst fördert. Wir alle haben erst im Mai mit über 99 Prozent für die Wiederwahl von Walter Ruck gestimmt.“
In ähnlichem Tenor hielt sich die Aussendung von Verena Wiesinger, Wiener Vorsitzende der Interessenvertretung Frau in der Wirtschaft. „Es ist sehr wichtig, dass Walter Ruck in den vergangenen Jahren Frauen motiviert und gefördert hat, sich als Funktionärinnen für ihre Branchen einzusetzen“, so Wiesinger. „Statt darüber zu reden, wer was vielleicht irgendwo und irgendwann gesagt haben könnte, sollten wir lieber darüber sprechen, was es heute bedeutet, Unternehmerin zu sein, welche Herausforderungen es gibt und wie man Frauen und ihr Business noch besser unterstützen kann.“
Ursprung der Debatte
Ausgangspunkt der gesamten Debatte ist ein internes Gesprächsprotokoll, das von „profil“ und „Krone“ zitiert wurde. Darin soll Ruck damit geprahlt haben, bei Postenbesetzungen in der Wiener Wirtschaftskammer sowie in der Stadtpolitik maßgeblich mitzusprechen. Das Gespräch soll rund um den Jahreswechsel 2025/26 stattgefunden haben.
Laut dem vertraulichen Protokoll soll Ruck beschrieben haben, dass Margarete Kriz-Zwittkovits von ihm einen „Befehl“ bekommen habe, auf ihre Listenersten-Position zu verzichten und seinen Sohn vorzuschlagen und für ihn zu kämpfen. Den Berichten zufolge soll er zudem über seine eigene Partei gesagt haben, die ÖVP spiele in Wien „eh keine Rolle“, und erklärt haben, dass er als Wirtschaftskammerpräsident für Ruhe sorge, wenn die ÖVP „zu keck“ werde.
Zudem soll er ein schwieriges Verhältnis zu Frauen angedeutet haben, mit denen er etwa nicht in den Weinkeller gehen könne. Ruck weist sämtliche Vorwürfe zurück.