Auch der Goldmarkt ist betroffen!
Wie sehr auch der Gold- und Edelmetallhandel von den verabschiedeten und angekündigten Verordnungen im monetären Sektor beeinflusst wird, verriet KOSMO Mag. Walter Hell-Höflinger, der Inhaber der bekannten Firma „Gold&Co“ aus Wien.

KOSMO: Erwarten Sie Veränderungen im Handel mit Gold und anderen Edelmetallen, wenn ab 2026 Barzahlungen über 10.000 Euro verboten werden?
Mag. Walter Hell-Höflinger: Der Besitz von Bargeld und Gold ist natürlich anonym und daher sehr schwer zu verfolgen und zu überwachen und darum meinen die Institutionen der EU, ihn möglichst gut kontrollieren zu müssen. Soweit das Steuerhinterziehung und die Verhinderung der Finanzierung von Terrorismus, Drogenhandel und Kinderpornografie betrifft, sind das sicherlich wünschenswerte Ziele und die Behörden machen bei der Verhinderung der Geldwäsche gute Arbeit. Aber die angestrebte Effizienzsteigerung hat ihren Preis und Folgen für die große Mehrheit der ehrlichen Bürger. Wir sind das einst übliche Niveau der Privatsphäre gewöhnt und es ist nicht so, dass alle, die anonym bleiben oder ihre vertraulichen Papiere geheim halten wollen, unbedingt etwas zu verbergen haben. Vielleicht möchte jemand etwas einfach nicht offenlegen und das ist zu respektieren.
Seit 2002 sind die Edelmetallhändler in Deutschland ab einem Wert von 2.000 Euro mit einer eingeschränkten Anonymität konfrontiert. Nach den Angaben eines Kollegen aus Deutschland, hat sich der Markt so sehr an dieser Schwelle von 2.000 Euro orientiert, dass viele Menschen unterhalb dieser Schwelle kaufen, aber wahrscheinlich von Geschäft zu Geschäft gehen. Obwohl das viel Zeit kostet, ist das für Menschen, die ihren Besitz an Gold anonym halten wollen, weiterhin möglich. In Zukunft erwarte ich ein ähnliches Verhalten auch in Österreich, obwohl ich glaube, dass ich dann möglicherweise zweifelhafte oder sogar kriminelle Quellen aufdecken könnte, bei denen unkundigen Käufern, die ihre bisherige Anonymität wahren wollen, Falschgold oder überteuerte Preise angeboten werden. Das könnte auch dazu führen, dass das Geschäft der etablierten und renommierten Händler zurückgeht.
Bargeld ist bei den Österreichern noch immer ein beliebtes Zahlungsmittel und wird als Ausdruck von Freiheit und Anonymität auch weiterhin sehr geschätzt werden. Es ist ein wertvolles Gut, wie die vielen Unterschriften unter dem Referendum über das Bargeld zeigen und wie es auch eine Untersuchung der Europäischen Union bestätigt hat. Die Politiker täten gut daran, den Wunsch dieser Wähler nicht zu ignorieren.
Ist die Ankündigung der Europäischen Zentralbank über die Einführung des digitalen Euro in den Zahlungsverkehr eine neue Form der Disziplinierung der Bürger oder bringt sie auch positive Neuerungen mit sich?
Eine selten preisgegebene Wahrheit darüber, warum die CBDC (Central Bank Digital Currency) in der ganzen Welt mit solcher Eile eingeführt wird, ist, dass das Funktionieren unseres monetären Systems nur für beschränkte Zeit krisenfrei möglich war. Wenn die Geldmenge erhöht wird (durch den Druck neuen Geldes), um Staaten und Banken zu retten oder Wirtschaftskrisen zu vermeiden, wie das beim Dollar oder Euro seit 2008 durch die QE-Programme in großem Stil geschieht (die Unterstützung des Kaufs von Staatsanleihen durch die Zentralbanken), dann muss die Geldmenge oder zumindest der Geldwert auch irgendwann wieder vermindert werden. Bisher ist das immer durch eine hohe Inflation oder die Einführung einer neuen Währung geschehen.
Durch die jüngste Rezession hat die gesamte Bevölkerung einen ganzen Teil ihrer Ersparnisse verloren. Heute hält ein großer Teil der Bevölkerung den Krieg für den unmittelbaren Preistreiber, zum Beispiel bei den Gas- und Stromkosten. Nach der Covid-Pandemie sah man Lieferengpässe als Grund der Inflation an und dachte nicht an all die Rettungspakete für die Wirtschaft und die Banken oder an die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre, sondern stellte alles in denselben Kontext. Es könnte daher sein, dass der digitale Euro nicht nur ein Mittel zur Kontrolle der Geldflüsse darstellt. Er könnte möglicherweise auch ein monetäres Instrument sein, um eine harte Landung mit einer großen Wirtschaftskrise, Rezession und einem Bankenchaos mit all ihren Folgen zu verhindern. Die Geldentwertung erfolgt digital, und dem kann dann niemand entgehen.
