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Grenzchaos

Chaos durch neues EU-System: Reisende sitzen 10 Stunden an serbisch-ungarischer Grenze fest

Horgos Grenze
(FOTO: EPA/ZOLTAN GERGELY)

Stundenlange Wartezeiten, kein Wasser, keine Verpflegung: Das neue EU-Einreisesystem verwandelt die serbisch-ungarische Grenze in eine Geduldsprobe für Reisende.

Das neue EU-Einreisesystem sorgt an der serbisch-ungarischen Grenze für chaotische Zustände. Reisende berichten von stundenlangen Wartezeiten ohne ausreichende Versorgung. Besonders dramatisch gestaltet sich die Situation am Grenzübergang Horgos, wo Busse teilweise über zehn Stunden festsitzen.

“Wir sind zu einem Kurzurlaub nach Prag aufgebrochen und hätten nie gedacht, dass sich diese Reise in einen Albtraum verwandeln würde”, schildert eine Betroffene. “Seit gestern Abend stecken wir am Grenzübergang fest. Die Passagiere werden zunehmend nervös, unter ihnen auch Kinder. Wir haben weder Essen noch Wasser und fragen uns, wann diese Qual endlich endet.”

Die schrittweise Einführung des Entry/Exit-Systems (EES) begann am 28. Oktober zunächst am Übergang Tompa-Kelebija und wurde am 4. November auf Reske-Horgos ausgeweitet. Bis zum 11. November soll das System an sämtlichen Grenzübergängen zwischen Ungarn und Serbien implementiert sein. Für jeden Reisenden aus Nicht-EU-Ländern erstellt die ungarische Grenzpolizei eine elektronische Akte mit Gesichtsfoto und Fingerabdrücken, was zu erheblichen Verzögerungen führt. Lediglich Kinder unter zwölf Jahren sind von dieser Registrierungspflicht ausgenommen.

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Dramatische Zustände

Eine weitere Reisende beschreibt ihre Erfahrungen: “Wir haben die serbische Grenze gestern Abend um 21:40 Uhr passiert und stehen seit Mitternacht in Horgos. Vor uns warten noch zwei Busse, was weitere Stunden bedeutet. Ich habe bereits das Außenministerium kontaktiert, das mich an die Grenzverwaltung verwies – dort nimmt jedoch niemand ab. Die Schlange ist unüberschaubar lang, und der Zwischengrenzbereich ist völlig überfüllt.”

Die Umsetzung des EES-Systems wird von den Betroffenen als ineffizient und problematisch wahrgenommen. “Nach zehn Stunden Wartezeit haben wir sogar gefragt, ob wir nach Serbien zurückkehren können, aber selbst das ist nicht möglich”, berichtet eine Reisende. “Als wir gestern ankamen, standen 14 Busse vor uns. Die sanitären Verhältnisse sind katastrophal – eine einzige Toilette für unzählige Menschen. Das ist schlimmer als im Gefängnis.”

Reisepläne gefährdet

Nach dem ursprünglichen Reiseplan sollten die Urlauber heute Mittag in Prag eintreffen. Angesichts der aktuellen Situation erscheint es jedoch fraglich, ob sie ihr Ziel überhaupt bis zum nächsten Tag erreichen werden.

Die mangelhafte Vorbereitung und Organisation bei der Einführung des neuen Grenzsystems steht in der Kritik, während die Reisenden unter den Folgen leiden.