Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Katastrophenfolgen

Crans-Montana – Barbetreiber nach Flammen-Drama verhaftet

Crans-Montana – Barbetreiber nach Flammen-Drama verhaftet
Foto: epa/ALESSANDRO DELLA VALLE
4 Min. Lesezeit |

Der Barbetreiber in Untersuchungshaft, eine Nation in Trauer und erste rechtliche Konsequenzen – die Brandkatastrophe von Crans-Montana zieht immer weitere Kreise.

Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Brand in Crans-Montana wurden die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti am Freitag erstmals von der Walliser Staatsanwaltschaft in Sitten befragt. Das französische Ehepaar steht unter Verdacht der fahrlässigen Tötung und Körperverletzung. Für den 49-jährigen Korsen Jacques Moretti beantragte die Staatsanwaltschaft im Anschluss Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr, wie die Ermittlungsbehörde am Freitagnachmittag mitteilte. Zuvor hatten verschiedene Schweizer Medien darüber berichtet. Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst noch gezögert, den Mann in Gewahrsam zu nehmen.

Die Katastrophe in der Silvesternacht wurde durch Feuerwerkssprühkörper an Champagnerflaschen ausgelöst, die die Schaumstoffdämmplatten an der Decke der Bar „Constellation“ in Brand setzten. Bei dem Unglück starben 40 Menschen, 116 weitere erlitten überwiegend schwere Verletzungen. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig, darunter zwei 14-Jährige. Unter den Verstorbenen befanden sich 21 Schweizer, neun Franzosen und sechs Italiener.

⇢ 40 Tote im Luxus-Skiort: Bar-Chef mit Zuhälter-Vergangenheit

Nationale Gedenkfeier

Am Freitag gedachte die Schweiz der Opfer mit mehreren Aktionen. Um 13.58 Uhr betätigten sämtliche Lokführer ihre Signalhörner, eine Minute später war die Bevölkerung zu einer Schweigeminute aufgerufen, und um 14 Uhr läuteten landesweit die Kirchenglocken. Zeitgleich fand in der Kongresshalle von Martigny im Wallis eine nationale Gedenkfeier statt. Neben Mitgliedern der Schweizer Regierung nahmen auch hochrangige ausländische Vertreter teil, darunter der französische Präsident Emmanuel Macron und der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella.

Vor den tausend geladenen Gästen, unter ihnen zahlreiche Angehörige der Opfer, erklärte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin, dass diese Katastrophe die gesamte Schweiz zu einer Familie von Trauernden gemacht habe. „Unser Land verneigt sich vor dem Angedenken derer, die nicht mehr unter uns sind, und steht denen zur Seite, die vor einem langen Weg des Wiederaufstehens sind.“ Er dankte für die nationale und internationale Solidarität. Die Aufnahme von Schwerverletzten in ausländischen Krankenhäusern „berührt uns und das verpflichtet uns“.

⇢ Tödliche Sprühkerzen: Wiener Kultlokal reagiert auf Schweizer Club-Drama

Die weitere Entwicklung hänge auch von der Fähigkeit der Justiz ab, Verfehlungen unverzüglich und konsequent aufzudecken. Man werde alles unternehmen, um die Wahrheit ans Licht zu bringen – eine „moralische Aufgabe und zudem eine Pflicht des Staates“. Die Verstorbenen, die ihr Leben in einer nach einer Sternenkonstellation benannten Bar verloren haben, würden „in unserer Erinnerung weiterstrahlen“.

Der Regierungspräsident des Kantons Wallis, Mathias Reynard, betonte, der 1. Jänner 2026 werde unvergessen bleiben: „In den ersten Stunden des neuen Jahres verwandelt sich ein Moment des Feierns und der Freude in einen Albtraum.“ Man wolle das Andenken der Todesopfer ehren. „Wir sind auch für die Verletzten hier, für diejenigen, die in diesem Moment noch um ihr Leben kämpfen“, fügte Reynard hinzu. Worte könnten die entstandene Lücke niemals füllen. Die Wahrheitsfindung sei eine Verpflichtung gegenüber den Opfern, ihren Familien und der gesamten Gesellschaft.

Rechtliche Folgen

Neben den Bar-Betreibern steht auch die Gemeinde Crans-Montana in der Kritik. Gemeindepräsident Nicolas Féraud räumte kürzlich ein, dass in den vergangenen sechs Jahren keine behördlichen Brandschutzkontrollen in der Bar durchgeführt wurden, obwohl diese gesetzlich jährlich vorgeschrieben waren.

Der Genfer Anwalt Romain Jordan hat inzwischen eine erste Zivilklage gegen die Gemeinde eingereicht. Er vertritt über 20 betroffene Familien und beruft sich auf das Walliser Verantwortlichkeitsgesetz, wonach der Kanton und seine Gemeinden für widerrechtlich zugefügten Schaden haften. Für einen Erfolg vor Gericht müsste nachgewiesen werden, dass die Versäumnisse eine wesentliche Amtspflichtverletzung darstellen. Bei erfolgreichen Klagen könnten auf die Gemeinde Schadenersatzforderungen im dreistelligen Millionenbereich zukommen.

Der Versicherungskonzern Axa, der sowohl die Haftpflichtversicherung der Gemeinde als auch des Barbetriebs „Constellation“ stellt, erklärt, dass sich die Haftungsfrage erst nach Abschluss der strafrechtlichen Untersuchungen beurteilen lasse. In einer Mitteilung betont das Unternehmen, seinen Verpflichtungen vollständig nachzukommen, weist jedoch darauf hin, dass beide Parteien nur branchenübliche Standardprodukte mit begrenzter Deckungssumme abgeschlossen hätten. Es sei offensichtlich, „dass die Versicherungssummen der Gemeinde und der Bar im Fall einer Haftung bei weitem nicht ausreichen, um für alle finanziellen Schäden der überlebenden Opfer und der Hinterbliebenen aufzukommen“.

Angesichts dieser Situation schlägt Axa die Einrichtung eines Runden Tisches vor, idealerweise unter Leitung des Bundes, an dem alle beteiligten Parteien – Opfervertreter, Behörden sowie die involvierten Haftpflicht-, Sach-, Unfall- und Krankenversicherer – unbürokratische Lösungen für die finanziellen Schäden entwickeln können.

⇢ Bar-Inferno von Crans-Montana: Alle Leichen konnten indentifiziert werden

„Es gilt jetzt, zusammenzustehen und mit vereinten Kräften dafür zu sorgen, dass den Betroffenen dieser Tragödie schnellstmöglich und unkompliziert geholfen wird.“