Kinder mit Klebeband an Stühlen fixiert – dieser Vorwurf gegen zwei Erzieherinnen eines bayerischen Kindergartens beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft.
Die Staatsanwaltschaft in Bayern untersucht einen Fall, der Eltern und Behörden gleichermaßen erschüttert: Zwei Erzieherinnen des Kindergartens St. Josef in Sommerkahl sollen Kinder mit Klebeband an Stühlen fixiert haben, weil diese nicht ruhig sitzen wollten. Den anderen Kindern wurde laut Elternberichten in der „Bild“ untersagt, über die Vorfälle zu sprechen – andernfalls würde es „Ärger geben“.
⇢ Erzieherinnen sollen Kinder an die Sessel geklebt haben, damit sie stillsitzen!
📍 Ort des Geschehens
Obwohl die Gemeindeverantwortlichen und die Kindergartenleitung bereits seit Anfang April Kenntnis von den Anschuldigungen hatten, wandten sich die Eltern nun an die Medien. Sie begründen diesen Schritt damit, dass die Angelegenheit „heruntergespielt“ worden sei. Bürgermeister Albin Schafer (CSU) weist jedoch Vertuschungsvorwürfe zurück und betont gegenüber der „Bild“: „Wir wollen nichts vertuschen – ich bin jeden Tag vor Ort und stehe in engem Kontakt.“
Das Landratsamt Aschaffenburg hat nach Bekanntwerden der Vorwürfe der betroffenen Einrichtung umfassende Maßnahmen auferlegt. Diese betreffen sowohl die pädagogischen Abläufe als auch die organisatorischen Rahmenbedingungen und beinhalten regelmäßige Kontrollen der Fachaufsichtsbehörde.
Laufende Ermittlungen
Marco Schmitt, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg, bestätigte die Ermittlungen gegen zwei weibliche Kindergartenmitarbeiterinnen. Der Verdacht lautet auf Freiheitsberaubung und Körperverletzung. Die mutmaßlichen Vorfälle sollen sich zwischen Februar und März ereignet haben, wobei die Ermittler derzeit von zwei betroffenen Kindern ausgehen.
Nach Aussage der Eltern wurden die beschuldigten Erzieherinnen trotz der gravierenden Vorwürfe zunächst weiterhin beschäftigt. Bürgermeister Schafer bestätigte zwar, dass die beiden Frauen inzwischen nicht mehr im Dienst sind, ließ jedoch offen, ob sie suspendiert wurden oder krankgeschrieben sind.
Die Gemeinde Sommerkahl und die Kindergartenleitung betonen offiziell, dass sie die Vorwürfe sehr ernst nehmen und seit April in enger Abstimmung mit der Fachaufsichtsbehörde und der Staatsanwaltschaft stehen.
Eltern fordern Konsequenzen
„Wir wollen endlich gehört werden und dass unsere Kinder wieder ohne Angst in den Kindergarten gehen können“, fordern die betroffenen Eltern.
Oberstaatsanwalt Schmitt weist darauf hin, dass für die Beschuldigten die Unschuldsvermutung gilt.