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Der Handel mit Babys: Sara sucht ihre Schwester!

Der Handel mit Babys: Sara sucht ihre Schwester! (FOTO: Facebook)

Sara Gojić, Studentin in Wien mit Wurzeln in Doboj (Bosnien-Herzegowina), ist auf der Suche nach ihrer älteren Schwester, die ihren Eltern am Tag nach der Geburt in der Frauenklinik „Narodni Front“ in Belgrad 1995 geraubt wurde. Sara ist entschlossen, ihre Schwester mit Hilfe der sozialen Netzwerke ausfindig zu machen.

Die Affäre der aus Geburtskliniken in Serbien verschwundenen Babys beschäftigt die Öffentlichkeit noch immer, erhält jedoch bei Weitem nicht so viel Aufmerksamkeit in den Medien und im Rechtssystem, wie nötig wäre, um sie endlich aufzuklären. Nur wenige Einzelfälle riefen bisher ein gewisses Interesse hervor, das jedoch immer schon bald wieder versiegte. Es scheint jedoch, als könnte Saras Facebook-Posting von Ende Januar das jahrzehntelange Schweigen zumindest teilweise brechen. Gegenüber KOSMO erzählt sie die schreckliche Geschichte, die ihre Familie aufgrund des verbrecherischen Kindesraubs durchlebte und noch immer durchlebt.

 „Meine Mutter entband nach einer normal verlaufenen Schwangerschaft am 23.9.1995 in der Frauenklinik ‘Narodni Front’ in Belgrad. Die Geburt verlief ohne Komplikationen und um vier Uhr am Morgen kam ein kleines Mädchen zur Welt. Es begann rechtzeitig zu schreien und alles war in Ordnung“, so leitet Sara die Geschichte ihrer Familie ein. Wie sie uns verrät, war ihre Mutter mit fünf weiteren jungen Müttern in einem Zimmer.

 „Nach der Geburt wurde meiner Mutter mitgeteilt, dass die Babys am ersten Tag nicht bei der Mutter sein könnten, sondern für eine gewisse Zeit abgesondert werden müssten. Den ganzen ersten Tag lang sah sie das Baby nicht, sondern sie ging erst am folgenden Tag, dem 24.9., am Morgen gegen 10 Uhr mit einer weiteren Mutter in den Babyraum, um die Neugeborenen zu sehen. Eine Krankenschwester brachte sie dorthin und meine Mutter fragte, wann sie das Baby stillen dürfe. Angeblich dauerte es noch eine Weile, bis bei meiner Mutter als Erstgebärender die Milchproduktion einsetzen würde und so lange würden die Schwestern die Babys füttern. Es bestünde kein Grund zur Sorge.“

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Posted by Sara Gojic on Friday, 29 January 2021

Der Beginn der Hölle
Trotz der erlogenen Erklärung dafür, warum die Mütter ihre Babys nicht sofort in die Arme schließen durften, wurde Saras Mutter versprochen, dass sie ihre Tochter nach dem Mittagessen sehen würde. Gegen elf Uhr kam eine Krankenschwester ins Zimmer und fragte nach ihrem Krankenversicherungsheft.

 „Meine Mutter war damals Flüchtling und wurde aufgrund des Flüchtlingsausweises in Serbien behandelt. Gegen 11.30 Uhr kam eine Ärztin in ihr Zimmer und teilte ihr brutal mit, dass ihr Baby gestorben sei. Meine Mama begann zu weinen und wurde vor Entsetzen und Schmerz hysterisch, woraufhin ihr die Ärztin sagte, sie solle sich beruhigen, es seien auch andere Gebärende im Zimmer und ihr Verhalten sei unangemessen. Sie befahl ihr, ihre Sachen zu packen und in ein anderes Zimmer umzuziehen“, erfahren wir von Sara.

Nachdem ihre Mutter wie befohlen ihre Sachen gepackt hatte, brachte man sie in ein anderes Zimmer, in dem nur ein einziges Bett Platz hatte, und gab ihr eine Beruhigungsspritze.

 „Wir nehmen an, dass das Sedativa waren, damit sich die Mutter beruhigte. Sie erinnert sich dunkel, dass ihr eine Krankenschwester über die Haare strich und ihr sagte, sie sei noch jung und würde noch weitere Kinder bekommen. Sie solle sich keine Sorgen machen, all das würde vorübergehen. Mein Vater kam an dem Tag mit Geschenken in Krankenhaus und freute sich darauf, seine Frau und das Baby zu sehen, aber auch ihm wurde mitgeteilt, dass mit dem Baby etwas nicht in Ordnung sei. Er war außer sich vor Stress und Schock. Normalerweise durften Väter nicht in den dritten Stock, wo die Mütter mit den Babys waren, aber ihn schickte man zu seiner Frau ins Zimmer. Dort weinten sie gemeinsam.“

Saras Vater teilte der Arzt im Krankenhaus an diesem Tag mit, dass das Baby einen Herzstillstand erlitten hätte, blau angelaufen sei und nicht hätte überleben können. Er sagte auch, alle verstorbenen Babys würden kremiert und in einem Gemeinschaftsgrab bestattet.

 „Da meine Eltern in ihrem Schock außer sich waren, bestanden sie nicht darauf, das Baby noch einmal zu sehen, und sie unterschrieben auch weder einen Antrag auf Obduktion noch einen auf Kremierung. Noch heute machen sie sich Vorwürfe, dass sie damals nicht anders reagiert haben. Mein Vater bat das zuständige Personal noch, dass meine Mutter das Krankenhaus durch einen anderen Ausgang verlassen dürfe als durch den Haupteingang, den alle Mütter mit ihren Babys benutzten. Natürlich wurde das nicht gestattet und meine Mutter weinte die ganze Zeit. Sie konnte es nicht ertragen, das Krankenhaus ohne ihr Kind zu verlassen.“

Die Reaktion von Saras Eltern verwundert nicht, denn kein normaler Mensch kann sich dieses schreckliche Scenario vorstellen, in dem Kinder ihren Eltern von Ärzten geraubt werden, während gleichzeitig eine enorme Zahl an elternlosen Kindern in Waisenhäusern lebt und auf eine Adoption wartet.

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