Beim entscheidenden Achtelfinale sorgte die Geste des türkischen Verteidigers Merih Demiral für Aufsehen. Mit erhobenen Armen zeigte er den Wolfsgruß – ein Symbol, das weit über den Fußballplatz hinaus Bedeutung trägt. Diese spezifische Handbewegung ist eng verbunden mit den „Grauen Wölfen“, einer ultranationalistischen Gruppierung in der Türkei.

Ein Ursprungsmythos mit politischer Tragweite
Die Historie hinter der Geste lässt sich auf eine alte türkische Legende zurückführen, in der die Vorfahren der Turkvölker durch einen Wolf gerettet wurden – ein Erzählstrang, der tief in der türkischen Mythologie verwurzelt ist. Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich diese Erzählung und wurde Teil eines nationalistischen Narrativs, das seinen Höhepunkt im 20. Jahrhundert mit der Gründung der „Ülkücü“-Bewegung, auch bekannt als die „Grauen Wölfe“, fand.
Eine Ideologie der Überlegenheit
Diese rechtsextreme Gruppierung, loyal zur Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), verfolgt eine Ideologie der Überlegenheit der Türkvölker und strebt nach einem großtürkischen Reich. Ihre Haltung gegenüber Minderheiten wird zunehmend als problematisch angesehen, reicht sie doch von Ausgrenzung bis hin zu offenen Vernichtungsfantasien.

Von Leineabstiegsschleuse – Eigenes Werk, CC0, Link
Präsenz auch in Deutschland
In den letzten Jahren hat die Bewegung auch in Deutschland an Boden gewonnen. Der Verfassungsschutz schätzt die Zahl der Anhänger auf bis zu 18.000. Dabei zeigen sich die Grauen Wölfe hierzulande meist in Vereinsform, anstatt politisch in Erscheinung zu treten, dennoch vereint sie die gemeinsame Ideologie.
Merih Demiral Statement
Merih Demiral äußerte sich zu seiner umstrittenen Jubelgeste nach dem EM-Spiel gegen Österreich. Er erklärte: „Diese Geste repräsentiert meine kulturelle Identität und meinen Stolz auf mein Land. Es war keine politische Botschaft dahinter, sondern ein Ausdruck meines Nationalstolzes.“ Er hofft, in Zukunft weiterhin solche Gesten zeigen zu können.
Ein Gruß, der polarisiert
Während der Wolfsgruß für manche ein Zeichen türkischen Stolzes darstellen mag, steht er für andere in direkter Verbindung zu den ultranationalistischen und faschistischen Ideen der Grauen Wölfe. Politikwissenschaftler und Öffentlichkeit sind sich jedoch einig: Die Geste ist nicht mit dem Hitlergruß gleichzusetzen, da ihr Bezugspunkt breiter und nicht auf eine einzelne Partei oder Ideologie beschränkt ist.
Während Österreich schon 2019 den Wolfsgruß verboten hat (ebenso wie PKK-Symbolik), ist diese Geste in Deutschland noch immer erlaubt. Die Geste führt immer wieder zu Kontroversen und Diskussionen über die Verbreitung ultranationalistischer Symbole im öffentlichen Raum.
