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MUSIK

Die Gesichter des Wiener Balkan-Nachtlebens

Jovan Torbica

Als junger Student aus der SFRJ kam Jovan Torbica mit dem Ziel nach Wien, nach Amerika, d.h. nach New York, weiterzuziehen. Er schrieb sich hier am Musikkonservatorium ein, das er am Ende niemals abschloss. „Ich bin nicht mit der Absicht hierhergekommen, mein Studium abzuschließen, denn es war nicht mein Ziel, später zu unterrichten. Mein musikalischer Weg durch Wien hat in einem Kaffeehaus begonnen. Da habe ich wirklich gutes Geld verdient und hatte außerdem Gelegenheit, alle Genres kennenzulernen, die damals in Ex-Jugoslawien gespielt wurden“, erzählt uns Jovan. Nachdem er Serbien verlassen hatte, wollte er in die USA gehen und dort seine Lieblingsmusik spielen. „Ich dachte immer, Funk und Jazz wären mein Ding, aber dann brauchte die „Tschuschenkapelle“ einen Bassisten und so bin ich da hineingeraten. Es hat sich ausgezahlt, dass ich die Kaffeehausschule durchlaufen habe und dadurch alle Genres spielen konnte. Von Jazz konnte man nicht leben, und das kann man auch heute noch nicht“, beklagt sich Jovan ehrlich.

(FOTO: KOSMO)

„Ich dachte immer, dass ich Funk- und Jazzmusik machen würde, aber das Leben hat mich in die Kaffeehäuser geführt.“

Neben Österreich und anderen Ländern Europas hat Jovan auch an den fernen Enden der Welt gespielt, z.B. in Südafrika und Korea. Heute ist er nicht nur der beliebte Bassist der Tschuschenkapelle, sondern gilt an seinem Instrument auch als einer der Besten in Österreich und den umliegenden Ländern. Kürzlich hat Jovan Torbica sein erstes Studioalbum herausgebracht, das er „Viennoise“ genannt hat. „Die CD habe ich mit meinen Freunden eingespielt, hervorragenden Musikern hier aus Wien. Aber besonders muss ich meinen besten Freund und Produzenten Renato Koller erwähnen, der sich vielleicht am meisten um die Realisierung dieses  Projekts verdient gemacht hat.

Den Namen Viennoise habe ich gewählt, denn hier geht es um die Wiener Variante, und ich habe die Absicht, das Album möglichst gut zu promoten, und zwar hier, aber auch außerhalb der österreichischen Grenzen, denn mein Verlag arbeitet mit vielen Ländern zusammen“, erzählt uns Jovan stolz. Die bisherigen Kritiken zu seinem Erstling, der ein echter Weltmusik-Mix ist, waren ausgezeichnet. Obwohl Jovan Torbica verschiedene Genres spielt, nimmt der Balkan in seinem Herzen einen besonderen Platz ein: „Es gibt diese guten alten Kaffeehauslieder. Der Kaffeehaussound ist  manchmal besser als das Original. Es tut mir leid, dass die guten alten Hits heute nicht mehr mit guten Bands eingespielt werden. Vielleicht wird das mein nächstes Projekt.“

Jelena Đukanović

Es war eine ganz ungewöhnliche Geschichte, die Jelena nach Wien gebracht hat. Während die meisten Musiker ihren Aufenthalt in Österreich zu Studienzwecken geplant haben, folgte sie einfach ihrem Instinkt. „Alles passierte ganz spontan. Ich kam für zehn Tage zum Geburtstag eines Freundes hierher und entschied mich dann, zu bleiben. Wir gingen damals in den ‚Maršal‘-Pub. Im Laufe des Abends schlugen meine Freunde vor, dass ich etwas vorspielen und –singen sollte. So habe ich mein erstes Jobangebot in Wien bekommen. Natürlich habe ich das angenommen, denn in Tuzla arbeitete ich für wesentlich geringere Tagessätze. Ich habe nicht geglaubt, dass ich es so weit bringen würde, wie ich es gebracht habe, denn ich habe mir alles selber beigebracht – das Gitarrespielen und das Singen. Vor einem Jahr habe ich mich für Jazzsologesang und Gitarre am Konservatorium eingeschrieben und bin sehr zufrieden, wie sich alles entwickelt“, erzählt und diese talentierte Tuzlaerin, zu deren Gigs alle Wiener aus ex-Yu mit Begeisterung kommen.

Ihre erste Berührung mit der Musik ergab sich bereits während ihrer Schulzeit: „Alles begann im Schulchor dank meiner Musiklehrerin Evica Cerić, der ich es verdanke, dass ich heute Musik mache, und die in meinem Leben eine große Rolle gespielt hat. Sie hat mich gedrängt und darauf bestanden, dass ich Solosängerin werde. Nach dieser Zeit habe ich die Band ‚Semantik‘ gegründet. Wir haben Auftritte gehabt, haben als Vorgruppe für ‚Zoster‘ gespielt und alles lief ideal. Wir haben Punk und Rock gespielt. Die Band, auf die ich noch heute sehr stolz bin, ist ‚Fetus‘, aber die habe ich leider verlassen.“ Jelena, die inzwischen sehr gefragt und populär geworden ist, legt die Gitarre von Mittwoch bis Sonntag nicht aus der Hand. Ihre einzigartige Stimme und ihre Musik können wir in allen bekannten Wiener Lokalen hören. Obwohl sie alles spielt, ‚was die Jungen hören wollen‘, sind ihre Eigenkompositionen eher rockig und privat hört sie vor allem Flamenco und Fado und ist von der spanischen und portugiesischen Kultur fasziniert.

(FOTO: KOSMO)

„Frauen können in der Welt der Musik erfolgreich sein, auch ohne ihren Körper zu verkaufen.“  

In letzter Zeit widmet sie sich mehr der Aufnahme von Songs und für Ende März ist die großangelegte Vorstellung ihrer neuen Lieder und Spots im Club Beertija geplant. Jelena ist aber nicht nur für ihr musikalisches Talent bekannt, sondern auch für ihre Gags und ihren Humor, mit denen sie jeden Auftritt würzt. Daher hat sie sich entschlossen, neben Liedern auch eine Stand-up-Comedy Show zu schreiben.

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