Sicher, einfach, kostenfrei – so wünschen sich Europäer ihre digitale Währung. Doch fast die Hälfte hat noch nie vom geplanten E-Euro gehört, der frühestens 2029 kommen könnte.
Viele Verbraucher haben vom digitalen Euro noch keine Kenntnis, stellen jedoch klare Anforderungen an neue elektronische Zahlungsmethoden. Eine repräsentative Erhebung in zehn Euroländern durch die European Consumer Organisation (BEUC), Euroconsumers und International Consumer Research & Testing (ICRT) zeigt: Sicherheit und Zuverlässigkeit (55 Prozent), einfache Handhabung (53 Prozent) sowie minimale oder keine Gebühren (49 Prozent) stehen bei den Erwartungen an erster Stelle. Bemerkenswert ist der Informationsstand: 42 Prozent der erwachsenen Befragten und sogar 51 Prozent der Jugendlichen gaben an, noch nie vom digitalen Euro gehört zu haben.
Selbst unter den bereits informierten Personen fühlen sich nur etwa 11 Prozent der Erwachsenen und knapp 9 Prozent der Jugendlichen gut aufgeklärt. Die Umfrage erfasste zwischen 19. Mai und 3. Juni dieses Jahres die Meinungen von insgesamt 10.227 Personen, darunter 1.539 Jugendliche.
EZB-Zeitplan
Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet bereits seit mehreren Jahren an einer digitalen Version der Gemeinschaftswährung. Nach aktuellen Äußerungen von EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone könnte 2029 als realistischer Einführungstermin für den digitalen Euro anvisiert werden. Der EZB-Rat will Ende 2025 entscheiden, ob die nächste Vorbereitungsphase eingeleitet wird.
Die EZB hat bereits konkretisiert, dass der digitale Euro als Ergänzung zum Bargeld konzipiert ist und sowohl Online- als auch Offline-Zahlungen ermöglichen soll. Beide Varianten sind als gesetzliches Zahlungsmittel vorgesehen, wobei noch regulatorische Klarstellungen zur flächendeckenden Offline-Nutzung ausstehen.
⇢ Kampf um Europas digitale Währungshoheit – EZB in Alarmbereitschaft
Im Bankensektor herrscht allerdings noch erhebliche Zurückhaltung bezüglich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Viele Finanzinstitute fragen sich, ob es nicht sinnvoller wäre, den erst seit Juli 2024 verfügbaren Bezahldienst Wero weiterzuentwickeln. Diese Lösung, vorangetrieben durch einen Zusammenschluss europäischer Banken und Zahlungsdienstleister (European Payments Initiative/EPI), ist bislang in Deutschland, Frankreich und Belgien nutzbar.
Datenschutz als Knackpunkt
Ein zentraler Diskussionspunkt bleibt der Datenschutz. Die EZB verspricht ein hohes Maß an Schutz persönlicher Daten beim digitalen Euro, jedoch ist eine vollständige Anonymität wie beim Bargeld nicht vorgesehen. Intermediäre können im Rahmen der EU-Gesetzgebung Zugriff auf Transaktionsdaten erhalten – ein Punkt, der bei datenschutzbewussten Verbrauchern für Skepsis sorgen könnte.
Europäische Alternative
Mit dem digitalen Euro beabsichtigen die Euro-Notenbanken, eine europäische Alternative zu den marktbeherrschenden US-amerikanischen Anbietern wie PayPal, Mastercard und Visa zu etablieren, die derzeit den europäischen Markt für digitale Zahlungen dominieren. „Der digitale Euro kann eine große Chance für den europäischen Zahlungsverkehr sein, um sich unabhängiger von außereuropäischen Zahlungsanbietern zu machen“, erklärt Dorothea Mohn, Finanzmarktexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).
Sie betont jedoch: „Das gelinge jedoch nur, wenn er von Verbraucherinnen und Verbrauchern angenommen werde. Dafür muss ein digitaler Euro einfach nutzbar sein, sicher und verlässlich gestaltet werden.“