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Frühlingsfest

Djurdjevdan: Ein Feiertag voller alter Bräuche und Rituale

Djurdjevdan: Ein Feiertag voller alter Bräuche und Rituale
Foto: iStock, zVg.
4 Min. Lesezeit |

Kräuter, Feuer, Blut und Tau – Djurdjevdan verbindet uralte Magie mit christlichem Glauben auf einzigartige Weise.

Der Djurdjevdan (serbisches Frühlingsfest zu Ehren des Heiligen Georg) zählt zu den am weitesten verbreiteten Familienpatronsfesten der orthodoxen Serben. Gefeiert wird er am 6. Mai – nach dem julianischen Kalender der 23. April –, zu Ehren eines der neun Großmärtyrer und frühen Zeugen des christlichen Glaubens. Bereits im 19. Jahrhundert hielten Chronisten fest, dass der Heilige Georg bei den Serben einen ganz eigenen, tief verwurzelten Kult genießt: als Befreier der Gefangenen, Beschützer der Schwachen, Heiler der Kranken und Kämpfer gegen Unterdrücker.

Das Fest schöpft aus zwei Quellen zugleich: dem christlichen Glauben und einer weit älteren, vorchristlichen Mythologie rund um Jarilo, die altserbische Fruchtbarkeitsgottheit. Djurdjevdan steht für Gesundheit, Heirat, Viehsegen und reiche Ernte – und markiert im Volksglauben die Grenze zwischen Winter und Sommer. Die damit verbundenen Bräuche variieren von Region zu Region erheblich, doch ein Kern bleibt überall gleich: der sogenannte Djurdjevdanski uranak – das frühmorgendliche Aufstehen, das Flechten von Kräuterkränzen, das Waschen mit Heilpflanzen und das Baden im Fluss.

Frühlingsrituale & Bräuche

Vielerorts ist es Brauch, dass jemand aus dem Haushalt noch vor der Morgendämmerung frische grüne Zweige aus dem nächsten Wald holt und damit Türen, Fenster und Hoftore schmückt. Aus Schlüsselblumen, Löwenzahn und anderen Frühlingsblumen werden Kränze geflochten, die ein ganzes Jahr lang über den Eingängen hängen bleiben – bis zum nächsten Djurdjevdan. Wer sich vor Hagelschäden schützen möchte, fertigt Kreuze aus Haselruten an und stellt sie auf Feldern, in Gärten und an Gebäuden auf.

Am Vorabend des Festes legt die Hausfrau verschiedene Frühlingskräuter in ein mit Wasser gefülltes Gefäß, gibt Hartriegel, Gamander und Weißdorn dazu sowie ein rotes Osterei, das von Ostern übrig geblieben ist. Das Gefäß wird unter einem Rosenstrauch im Garten über Nacht stehen gelassen. Großen Stellenwert hat auch das Bad im Fluss vor Sonnenaufgang – manchmal werden dabei Blumenkränze ins Wasser geworfen oder Milch hineingegossen.

Früh am Morgen, noch vor der Dämmerung, zieht die Gemeinschaft gemeinsam hinaus in die Natur – auf eine Waldlichtung, an einen Fluss oder einen anderen geeigneten Platz. Speisen und Getränke werden mitgebracht, und ein Lamm am Spieß ist dabei unerlässlich. Da mit Djurdjevdan der Winter offiziell verabschiedet wird, gilt dieser Tag auch als „Tag der Hajduken-Versammlung“ – jener Rebellen, die sich an diesem Datum sammelten, um den Kampf gegen die osmanische Herrschaft aufzunehmen oder wohlhabende Händler und Bauern zu überfallen.

Beim Djurdjevdanski uranak gürten sich die jungen Menschen mit Weidenruten – „um so fortschrittlich wie die Weide zu sein“ –, schmücken sich mit Gamander – „um so gesund wie Gamander zu sein“ –, mit Brennnessel – „damit die Brennnessel die Krankheiten von ihnen wegbrennt“ – und mit Selen – „damit ihre Seele wie Selen duftet“. An diesem Tag soll man nicht schlafen, denn wer schläft, dem schmerzt der Kopf. Wer es dennoch tut, so heißt es, soll am Markovdan an derselben Stelle schlafen.

Magie & Schutzrituale

Djurdjevdan ist zugleich das bedeutendste Patronsfest der Roma, bei denen Lammfleisch auf der Festtafel ebenso unverzichtbar ist. Neben dem 6. Mai gedenken orthodoxe Christen dem Heiligen Georg auch am 16. November – dem Djurdjic –, dem Tag der Überführung seiner Reliquien in die Kirche in Lydda, seinem Geburtsort. Auf den Ikonen dieses zweiten Feiertags sitzt der Heilige nicht zu Pferd, sondern steht aufrecht auf der Erde.

In manchen Gegenden hat sich ein starkes magisches Ritual erhalten, das mit dem Heiligen Georg verbunden bleibt. Noch immer wird an diesem Tag ein Lamm geopfert, das dem Heiligen gewidmet ist. Mit dem aufgefangenen Blut wurden früher Kreuze auf Stirn, Wangen, Kinn und Brust der Hausbewohner gezeichnet, die anschließend mit unberührtem Quellwasser abgewaschen wurden – man glaubte, dieses Ritual verleihe dem ganzen Jahr über Schutz vor Zauber und bösem Blick.

Für manche gilt Djurdjevdan als besonders günstiger Zeitpunkt, um Flüche aufzuheben, schwarze Magie zu vertreiben und böse Blicke zu beseitigen, die sich in den vorangegangenen fünf Monaten angesammelt haben. Zu diesem Zweck wird – dem sogenannten „Magischen Kalender für glückliche Tage“ zufolge – am häufigsten eine rituelle Waschung vorgenommen: Um das Gefäß, in dem das erste Osterei rot gefärbt wurde, werden Stängel von Hahnenkamm, Alant und Liebstöckel gewickelt, Wasser hineingegossen und das Ganze über Nacht an der Hausschwelle oder neben einer Pflanze stehen gelassen – damit sich im Morgengrauen auch der Tau dazugesellt.

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KO KOSMO-Redaktion
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