Ein 29-jähriger Mitarbeiter der Wiener Finanzbehörde wurde am Dienstag vom Landesgericht zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten verurteilt. Der Schuldspruch nach dem Suchtmittelgesetz erfolgte, weil der Mann Rauschgift vertrieben hatte, um seinen eigenen Drogenkonsum zu finanzieren. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Verurteilte, der als Betriebsprüfer tätig war, gab an, aufgrund gesundheitlicher Probleme in die Abhängigkeit geraten zu sein. Seine Sucht habe schließlich sein reguläres Einkommen überstiegen, weshalb er begonnen habe, selbst als Händler aufzutreten.
Umfangreiche Drogengeschäfte
Dem Finanzbeamten wird zur Last gelegt, zwischen Dezember 2023 und seiner Festnahme am 9. Dezember 2024 etwa 160 Gramm Kokain sowie 4,1 Kilogramm Cannabis und Cannabiskraut veräußert zu haben. Für seine illegalen Aktivitäten hatte er sich ein zweites Fahrzeug sowie eine separate Wohnung als Lagerort zugelegt.
Die Ermittler kamen ihm auf die Spur, als er einem verdeckt operierenden Polizeibeamten Kokain zum Kauf anbot. Bei der anschließenden Scheinübergabe erschien der 29-Jährige mit einem präparierten Buch, in dem fünf Gramm Kokain versteckt waren. Er wurde unmittelbar darauf festgenommen.
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Gerichtliches Nachspiel
Der Angeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Nikolaus Rast, betonte vor Gericht die Belastung durch seine Erkrankung mit den Worten: „Es ist kein Spaß, mit einer Krankheit zu leben.“ Bei der Strafzumessung wurden seine persönlichen Umstände sowie seine bisherige Unbescholtenheit mildernd berücksichtigt. Das Gericht erklärte zudem 9.500 Euro Bargeld sowie das für die Drogengeschäfte genutzte Fahrzeug für verfallen, da diese als Erträge aus den illegalen Aktivitäten eingestuft wurden.
Nach Beratung mit seinem Verteidiger akzeptierte der 29-Jährige das verhängte Strafmaß. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe steht er vor einem beruflichen Neuanfang, da er seine Anstellung bei der Finanzbehörde verloren hat.
Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gab zum Urteilsspruch keine Stellungnahme ab.
Drogenprobleme im öffentlichen Dienst
Laut Bericht des Sozialministeriums befanden sich im Jahr 2023 rund 27.300 Österreicher in drogenspezifischer Behandlung. Spezifische Statistiken zu Suchterkrankungen im öffentlichen Dienst werden allerdings nicht gesondert erhoben. Dennoch bieten viele Behörden inzwischen eigene Beratungs- und Präventionsprogramme für betroffene Mitarbeiter an. Insbesondere die Landespolizeidirektion Wien hat ihre Mitarbeiterbetreuung in den letzten Jahren ausgebaut und stellt Unterstützung bei Therapie- und Beratungsfragen zur Verfügung.
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