Start MAGAZIN Dr. Komadina: „Ich bin absolut für die Immunisierung durch eine Impfung“
REPORTAGE

Dr. Komadina: „Ich bin absolut für die Immunisierung durch eine Impfung“

Impfungen_Dr. Ksenija Komadina (FOTO: iStock, zVg.)

Im zweiten Teil der Reportage über Impfungen und deren möglichen Nebenwirkungen haben wir auch mit Dr. Ksenija Komadina, einer Kinderärztin in Wien über das Thema gesprochen.

In Österreich gibt es bisher keine Impfpflicht, aber sie soll nach dem Beispiel Deutschlands sicher bald eingeführt werden. „Österreich ist in dieser Frage sehr liberal, aber auch sehr verantwortungsbewusst im Verständnis der Wichtigkeit der Immunisierung. Die Aufklärung zum Thema Impfen ist sowohl auf staatlicher als auch auf lokaler Ebene sehr gut organisiert und die Verfügbarkeit einer breiten Palette von Impfstoffen ist gesichert“, so Dr. Komadina.

Laut ihr sei das für das Gesamtbild der österreichischen Volksgesundheit wichtig, aber auch aus der Perspektive des Schutzes des Einzelnen, vor allem des gefährdetsten Segments der Bevölkerung. „Es ist wichtig, konstant an der Vermeidung von Epidemien und von schweren Verläufen zu arbeiten, die bei allen Krankheiten möglich sind, für die es Impfstoffe gibt. Wenn die Durchimpfungsrate hoch genug ist, wird der Ausbruch von Epidemien vermieden, aber es ist nicht unwichtig, dass dann auch die geschützt sind, die nicht geimpft sind. Hier sprechen wir in erster Linie von Kindern in den ersten Lebensmonaten sowie von kranken Personen mit einem geschwächten Immunsystem. Denn dies sind die Empfindlichsten unter uns. Und gerade das Schutzverhalten gegenüber den Schwächeren und Gefährdeteren ist ein Merkmal von reifen und entwickelten Gemeinschaften und Einzelpersonen.“

„Wenn die Durchimpfungsrate hoch genug ist, wird der Ausbruch von Epidemien vermieden, aber es ist nicht unwichtig, dass dann auch die geschützt sind, die nicht geimpft sind.“

„Die eigenmächtige und medizinisch unbegründete Vermeidung der Immunisierung sowie auch die aggressiven Anti-Impfkampagnen, die meistens von unzureichend Informierten Personen geführt werden, sind Ausdruck von Egoismus und Unkenntnis, aber keinesfalls Ausdruck von Sorge um die Gesundheit. Es ist überhaupt nicht egal, ob irgendeine Krankheit dank konsequenter Durchimpfung ausgerottet wird, so wie das Muttermundkarzinom in Neuseeland, oder ob wir die mangelnde Kooperation mit der Wissenschaft und unseren Pseudokomfort mit dem Ausbruch von Epidemien bezahlen werden“, erklärt Dr. Komadina.

Die Masernepidemie in der Republik Kongo hat 2019 6.000 Menschen das Leben gekostet. In diesem dünn besiedelten Land, das ca. 5.000.000 Einwohner zählt, ist die Epidemie wegen eines Mangels an Impfstoff und aufgrund von Armut ausgebrochen. In dem bevölkerungsreichen China sind bisher ca. 1.600 Menschen an der Erkrankung durch den Coronavirus, gegen den es noch keinen Impfstoff gibt, gestorben und die Krankheit verbreitet sich weltweit.

„Die eigenmächtige und medizinisch unbegründete Vermeidung der Immunisierung sind Ausdruck von Egoismus und Unkenntnis, aber keinesfalls Ausdruck von Sorge um die Gesundheit.“

„Wir sehen, dass eine günstige Kombination für die Entstehung von Epidemien in der Unmöglichkeit einer Immunisierung liegt, die durch schlechte Lebensbedingungen unterstützt wird. Gibt es dann irgendeine Rechtfertigung für den Ausbruch einer Masernepidemie Anfang 2019 in einigen Teilen Österreichs, eines Landes mit einem hohen Lebensstandard und der unzweifelhaften Verfügbarkeit von Impfstoffen? Ist es möglich, dass zum Beispiel eine mehrfach dementierte Studie von Andrew Wakefield über die Verbindung von Autismus und der MMR-Impfung einflussreicher ist als der gesamte medizinische Sektor, oder sind wir als Gesellschaft vollkommen unempfindlich gegenüber den Empfindlichsten geworden, während wir gleichzeitig fleißig und auf allen Ebenen eine Kultur des Egoismus als höchsten Wertes pflegen? Wir sind leider Zeugen davon, dass eine brillante Entwicklung der Technologie und ein immer besserer Lebensstandard nicht von einer gleichwertigen geistigen Entwicklung und dem Respekt für das Recht des Gemeinwohls begleitet werden. Denn das Gemeinwohl ist ein Recht aller, vor allem jener, die zu schwach sind, um für sich selbst zu kämpfen. Das Gemeinwohl ist etwas, das niemand gefährden darf. Die Verhinderung des Ausbruchs von Epidemien ist ein höchstrangiges Element des Allgemeinwohls und kein nutz- und zweckloses Projekt, von dem nur die Pharmafirmen profitieren. Einen Nutzen haben wir alle und dafür müssen wir zuallererst dankbar sein, aber dabei muss uns auch unsere eigene Verantwortung uns selbst und anderen gegenüber bewusst sein“, resümierte Dr. Komadina.