Ein Wiener Park wird nachts abgesperrt – die Bauarbeiten laufen, doch der politische Streit um weitere Maßnahmen ist längst entbrannt.
Seit Jahren leiden Anrainer des Fritz-Imhoff-Parks und des umliegenden Grätzls rund um die U6-Station Wien-Mariahilf (Gumpendorfer Straße) unter nächtlichem Lärm, Vandalismus, Müllproblemen und Drogenhandel. Bezirksvorsteherin Julia Lessacher (SPÖ) reagierte Anfang März mit einer klaren Ansage: Der Park soll eingezäunt und in den Nachtstunden geschlossen werden, um die Situation zu entschärfen.
Wie das Portal Mein Bezirk berichtet, ist der Bau bereits in vollem Gange. Arbeiter montieren derzeit die Pfähle für rund 100 Meter Gitter, die bis zu 2,4 Meter hoch sein werden. Drei Tore sollen abends gesperrt und morgens wieder geöffnet werden – eine private Sicherheitsfirma übernimmt diesen Dienst. „Darum halten sich die Zusatzkosten im Rahmen“, so Lessacher gegenüber Mein Bezirk.
Polizei mit Rückendeckung
Die Bezirksvorsteherin begründet die Maßnahme mit dem anhaltenden Druck aus der Bevölkerung: „Die Bewohner des Grätzls haben immer wieder von belastenden Situationen in der Nacht berichtet und sich eine Einzäunung gewünscht, wie sie auch in Parks in der Nähe längst umgesetzt ist.“ Rückendeckung kommt auch von der Polizei. Grätzlpolizist Manfred Schober sieht klare operative Vorteile: „So kann die Polizei sofort eingreifen, wenn sich nachts jemand dahinter aufhält – das spart Zeit und Aufwand.“ Schober verweist zudem auf die nahe gelegene Hauptfeuerwache, die rund um die Uhr besetzt ist und eng mit der Polizei kooperiert.
Politisches Echo
Politisch stoßen die Pläne auf ein geteiltes Echo. ÖVP-Bezirksrat Gerhard Hammerer begrüßt die Einzäunung, hält sie aber für nicht ausreichend: „Es braucht darüber hinaus aber auch zusätzliche Schritte, die in der Verantwortung der Stadt liegen: etwa eine Alkoholverbotszone rund um die U6-Station Gumpendorfer Straße, Videoüberwachung sowie eine Schutzzone im Bereich des Fritz-Imhoff-Parks.“ Seiner Forderung schließt sich Martina Hammerer an, Obfrau der ÖVP-Frauen in Wien-Mariahilf: „Der Fritz-Imhoff-Park soll ein Ort für Kinder und ihre Eltern sein und kein Treffpunkt für Drogenkriminalität.“ Eine Schutzzone würde der Polizei ein Wegweiserecht bei Verfehlungen einräumen, so Hammerer.
Paul Stein von den Grünen steht einem Alkoholverbot skeptisch gegenüber und plädiert für einen anderen Ansatz: „Investitionen in das vernachlässigte Grätzel rund ums Jedmayer“ seien das Gebot der Stunde. Den Zaun selbst bewertet er dennoch nicht negativ: „Wir hoffen, dass die Nachtsperre des Parks die Situation verbessert. Wie effektiv die Maßnahme ist, wird sich erst zeigen.“
FPÖ-Bezirksrat Lukas Korp äußert sich zwiespältig: „Wir begrüßen selbstverständlich alle Maßnahmen, die zur Sicherheit beitragen. Gleichzeitig lehnen wir jedoch reine Scheinmaßnahmen entschieden ab.“ Korp fordert darüber hinaus „die Absiedlung der Suchthilfe Jedmayer in ein geeignetes Gewerbegebiet.“
Bewegung gibt es auch auf formaler Ebene: Der Antrag der Bezirks-ÖVP für ein Alkoholverbot rund um den Gumpendorfer Gürtel wurde im Bezirk angenommen und an die Stadt weitergeleitet. Ob und wann eine Umsetzung erfolgt, bleibt vorerst offen.