Ein Impfstoff gegen fast alles – was in Tierversuchen gelang, könnte die Medizin grundlegend verändern.
Amerikanische Wissenschaftler haben einen universellen Impfstoff entwickelt, der in Tierversuchen an Mäusen erfolgreich erprobt wurde. Das Besondere an diesem Ansatz: Der Impfstoff setzt nicht am adaptiven, sondern am angeborenen Immunsystem an – jenem breiteren Abwehrmechanismus, der den Organismus sowohl gegen Viren als auch gegen Bakterien schützen kann.
Das Präparat wird über die Nase verabreicht und bewirkte bei den Versuchstieren eine Immunität gegen SARS-CoV-2, weitere Coronaviren sowie gegen Bakterien, die Atemwegsinfektionen auslösen. Darüber hinaus zeigte sich eine unerwartete Wirkung: Der Impfstoff war in der Lage, allergisches Asthma zu verhindern, indem er jene Mechanismen hemmte, die eine Überempfindlichkeit gegenüber Hausstaubmilben hervorrufen.
Angeborene Abwehr
Das angeborene Immunsystem stellt die erste und zugleich schnellste Verteidigungslinie des Körpers gegen eindringende Krankheitserreger dar. Über sogenannte Toll-like-Rezeptoren (Erkennungsproteine auf Immunzellen) auf der Oberfläche von Immunzellen werden Pathogene erkannt, woraufhin der Organismus mit der Ausschüttung von Interferonen reagiert. Diese Botenstoffe versetzen den Körper in einen erhöhten Abwehrzustand und mobilisieren Fresszellen sowie natürliche Killerzellen.
Parallel dazu wird das Komplementsystem (Eiweißsystem zur Krankheitserreger-Markierung) in Gang gesetzt, das infizierte Zellen für die Immunabwehr markiert. Da diese Reaktion unspezifisch abläuft, kann sie gegen ein breites Spektrum an Viren und Bakterien wirken. Der Immunologe Bali Pulendran von der Stanford University beschreibt dieses Konzept als „Zwei-Schutzwall-System“, bei dem eine erste Schleimhautbarriere das Eindringen von Krankheitserregern begrenzt und das Immunsystem der Lunge vorbereitet, um schnell eine virusspezifische Immunantwort auszulösen.
Expertenwarnungen
Akiko Iwasaki, Immunbiologin an der Yale University, bezeichnet die Studie als „fantastisch und spannend“ und betont die Eindeutigkeit der Daten. Sie warnt jedoch, dass die Übertragung der Ergebnisse von Mäusen auf den Menschen nicht einfach sei und das Ankurbeln des angeborenen Immunsystems über längere Zeit zu Nebenwirkungen führen könnte.