Schneller, günstiger, unkomplizierter: Für Serben in Österreich hat sich beim Geldschicken in die Heimat etwas Grundlegendes verändert.
Seit Anfang Mai ist der gesamte serbische Bankensektor an den europäischen SEPA-Zahlungsverkehr angeschlossen. Nach Angaben der Serbischen Nationalbank wurden seither bereits mehrere Hunderttausend Transaktionen über dieses System abgewickelt. Euro-Überweisungen nach Serbien können nun noch am selben oder am darauffolgenden Tag beim Empfänger eintreffen.
Besonders für Menschen, die in Österreich einer Beschäftigung nachgehen und regelmäßig Geld an Familienangehörige in Serbien schicken, ist diese Neuerung von Bedeutung. Je nach Zeitpunkt der Auftragserteilung kann die Zahlung noch am selben Tag oder spätestens am nächsten Werktag beim Empfänger verbucht sein. Igor Savic, der bei der Serbischen Nationalbank den Bereich für Devisengeschäfte und internationale Kreditbeziehungen leitet, nannte gegenüber RTS ausdrücklich in Österreich tätige Arbeitnehmer als Beispiel.
Kosten & Ablauf
Wer künftig Geld von Österreich nach Serbien transferiert, soll sowohl von einer rascheren Abwicklung als auch von geringeren Kosten profitieren. Über das neue System lassen sich ebenso Studiengebühren, Rechnungen oder andere grenzüberschreitende Zahlungen in Euro abwickeln. Vor dem Beitritt Serbiens zu SEPA liefen Euro-Überweisungen in der Regel über das internationale SWIFT-System, an dem häufig Korrespondenzbanken beteiligt waren – was längere Laufzeiten und zusätzliche Gebühren mit sich brachte.
Die Nationalbank bestätigt, dass die anfallenden Gebühren für SEPA-Überweisungen bereits jetzt niedriger ausfallen als bisher. Die genauen Kosten einer einzelnen Zahlung legt jedoch weiterhin die jeweilige Bank fest, weshalb ein Vergleich der Preislisten beider beteiligten Institute empfehlenswert ist. Bei SEPA-Zahlungen gilt üblicherweise das sogenannte SHA-Prinzip (Shared – Gebührenteilung zwischen Sender und Empfänger): Der Absender trägt die Gebühren seiner Bank, der Empfänger jene seines eigenen Instituts.
Für Bankkunden ändert sich im täglichen Umgang mit ihrer Bank grundsätzlich wenig. Bestehende Konten, Karten und Mobile-Banking-Apps bleiben weiterhin nutzbar. Entscheidend ist, dass die Überweisung in Euro erfolgt und die korrekten Bankdaten des Empfängers angegeben werden – insbesondere die IBAN und gegebenenfalls der BIC der serbischen Empfängerbank.
Wichtige Einschränkungen
SEPA bedeutet nicht automatisch, dass jede Zahlung innerhalb weniger Sekunden ankommt. Serbien ist derzeit vor allem in das System für klassische SEPA-Überweisungen, den sogenannten SEPA Credit Transfer, eingebunden. Grenzüberschreitende Sofortzahlungen innerhalb weniger Sekunden sind ein weiterer geplanter Entwicklungsschritt.
SEPA gilt ausschließlich für Überweisungen in Euro zwischen teilnehmenden Ländern und Banken. Zahlungen in Schweizer Franken, US-Dollar oder anderen Währungen laufen weiterhin über andere internationale Zahlungswege. Wer Geld sendet, sollte daher vorher klären, ob der Empfänger ein Euro-Devisenkonto besitzt und welcher Wechselkurs bei einer Umrechnung angewendet wird.
Seit dem 5. Mai 2026 ist der gesamte serbische Bankensektor operativ in den SEPA-Zahlungsverkehr eingebunden. Nach Angaben der Nationalbank nutzen sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen das System bereits intensiv. Für eine endgültige Bewertung sei es nach rund zwei Monaten allerdings noch zu früh – dafür müssten die Daten mindestens sechs Monate bis ein Jahr beobachtet werden.
Vor einer Überweisung aus Österreich sollten Kunden kontrollieren, ob ihre Bank den Auftrag tatsächlich als SEPA-Zahlung und nicht als teurere internationale SWIFT-Zahlung ausführt. Wichtig sind außerdem die Höhe der Überweisungsgebühr, mögliche Kosten der Empfängerbank, der verwendete Wechselkurs und die korrekte IBAN.
Bei größeren Beträgen kann bereits ein kleiner Unterschied bei Gebühren oder Kursen mehrere Dutzend Euro ausmachen.
Die ersten Erfahrungen zeigen dennoch: Geldtransfers zwischen Österreich und Serbien sind durch SEPA deutlich einfacher geworden. Für viele Familien bedeutet das kürzere Wartezeiten und geringere Kosten beim regelmäßigen Geldschicken in die Heimat.