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Zähe Verhandlungen

Einigung: Diese Gehälter steigen jetzt um bis zu 9,2%

(FOTO: iStock/Wavebreakmedia)
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Nach einem zähen Ringen und sieben Verhandlungsrunden ist es endlich geschafft: Gewerkschaft und Arbeitgeber im Handel haben sich auf einen neuen Kollektivvertrag geeinigt. Die 430.000 Angestellten können sich auf eine Gehaltserhöhung zwischen 8,3 und 9,2 Prozent freuen, wie die Gewerkschaft GPA am Mittwochabend mitteilte.

Im Schnitt steigt das Gehalt um 8,43 Prozent. Doch auch Lehrlinge und Berufseinsteiger profitieren: Ihre Einkommen steigen um 10 Prozent bzw. auf mindestens 2.124 Euro.

Verhandlungen geprägt von Warnstreiks

Die Verhandlungen waren geprägt von harten Auseinandersetzungen und Warnstreiks. Die Gewerkschaft forderte einen gestaffelten Gehaltsabschluss zwischen 8,48 und 9,38 Prozent, während das letzte Angebot der Arbeitgeber bei 8 Prozent lag. Die Inflation, die bei 9,2 Prozent lag, war ein weiterer Faktor, der auf die Verhandlungen drückte.

„Wir haben die von den Arbeitgebern vorgeschlagenen Einmalzahlungen vom Tisch bekommen und einen dauerhaft wirksamen Gehaltsabschluss erreicht“, erklärte GPA-Chefverhandlerin Helga Fichtinger. Doch nicht alle Forderungen konnten durchgesetzt werden: „Leider hat es noch keine Bereitschaft der Arbeitgeber gegeben, über Elemente der Arbeitszeitverkürzung zu reden“, so Fichtinger weiter.

Kein Zweijahresabschluss

Auf Arbeitgeberseite wurde der Abschluss positiv aufgenommen. Wir haben im Sinne einer funktionierenden Sozialpartnerschaft einen Kollektivvertragsabschluss erreicht“, betonte Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich und Chefverhandler der Arbeitgeberseite. Er wies darauf hin, dass es wichtig sei, keinen Zweijahresabschluss abgeschlossen zu haben, da dieser den Handlungsspielraum für 2024 eingeschränkt hätte.

Geringes Einkommen im Einzelhandel: Mehrheit der Angestellten mit Lebenshaltungskosten am Limit

Der Handelsverband bezeichnete die Tarifanpassung in einer Aussendung als „auf absoluter Oberkante“. Trotzdem ist der Abschluss ein wichtiger Schritt für die Branche: Der Handels-Kollektivvertrag betrifft nicht nur 430.000 Angestellte, sondern auch 15.000 Lehrlinge und ist damit der größte Branchen-Kollektivvertrag in Österreich.

Die Belegschaft im Handel ist überwiegend weiblich: Fast zwei Drittel der Beschäftigten sind Frauen, im Einzelhandel liegt der Frauenanteil noch etwas höher. Teilzeitarbeit ist vor allem bei Frauen verbreitet. Knapp 60 Prozent der Frauen im Handel arbeiten in Teilzeit, bei den Männern sind es nur rund 13 Prozent. Mit dem neuen Kollektivvertrag erhalten sie nun nicht nur mehr Geld, sondern auch die Anerkennung ihrer Arbeit.