Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Kraftstoffwende

EU-Offensive für neuen Kraftstoff E20: Tanken soll billiger werden

EU-Offensive für neuen Kraftstoff E20: Tanken soll billiger werden
Foto: iStock
2 Min. Lesezeit |

Brüssel plant eine stille Revolution an Europas Zapfsäulen – und dahinter steckt mehr als nur Klimapolitik.

Die Europäische Kommission unter Ursula von der Leyen plant eine weitreichende Änderung an Europas Tankstellen: Der neue Kraftstoff E20, der zu 20 Prozent aus Bioethanol besteht, soll künftig an den Zapfsäulen verfügbar sein. Wie die deutsche Zeitung Bild exklusiv berichtet, versteht Brüssel diesen Schritt als direkte Antwort auf die durch die Konflikte im Nahen Osten ausgelöste Marktinstabilität – und zugleich als Hebel für eine beschleunigte Dekarbonisierung des Verkehrssektors.

Dabei stößt die Initiative auf ein regulatorisches Hindernis: Die geltende EU-Kraftstoffqualitätsrichtlinie erlaubt bislang maximal zehn Prozent Ethanolanteil im Benzin. Kommissionspräsidentin von der Leyen hat in einem Schreiben an Abgeordnete des Europäischen Parlaments jedoch signalisiert, dass man bereit ist, diesen Rahmen zu überdenken. „Die Kommission erkennt die Rolle an, die Biokraftstoffmischungen mit höherem Anteil bei der Dekarbonisierung bestehender Fahrzeugflotten spielen können“, heißt es darin.

EVP begrüßt Vorstoß

In den Reihen der Europäischen Volkspartei wird der Vorstoß als Durchbruch gefeiert. Der Klimapolitik-Experte Peter Liese betont, dass nachhaltige Biokraftstoffe ein unverzichtbares Werkzeug für eine gesellschaftlich verantwortungsvolle Dekarbonisierung seien. E20 sei eine Lösung, die für Industrie und Verbraucher bereits heute funktioniere. Experten mahnen allerdings zur Vorsicht, was die technische Seite betrifft.

Als zentrale Vorteile des neuen Kraftstoffs gelten vor allem zwei Aspekte: Zum einen soll E20 günstiger sein als herkömmliches Benzin, da Biokraftstoffe die Kosten an der Zapfsäule spürbar senken können. Zum anderen wäre keine neue Infrastruktur nötig – der Kraftstoff ließe sich rasch einführen. Der Preisvorteil des steuerlich begünstigten E10 gegenüber herkömmlichem Benzin liegt aktuell bei etwa sechs Prozent pro Liter.

Ältere Fahrzeuge betroffen

Einschränkungen gibt es jedoch für Besitzer älterer Fahrzeuge: Während Hersteller wie BMW, VW und Mercedes E20 für ihre neueren Modelle bereits freigegeben haben, könnte der höhere Ethanolanteil bei älteren Motoren zu Problemen führen.

Die Dringlichkeit der Maßnahme geht über den Straßenverkehr hinaus. Auch in der Luftfahrtbranche werden Notfallpläne für den Fall einer möglichen Kerosinknappheit ausgearbeitet. Angesichts der Unsicherheiten auf den Energiemärkten könnte die Einführung eines günstigeren Kraftstoffs ein entscheidender Beitrag sein, um den Lebensstandard der Bevölkerung in Deutschland und im übrigen Europa zu sichern.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen