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Umweltskandal

Fäkalien im Meer: Kritik an fehlender Kontrolle in kroatischen Häfen (FOTOS)

Fäkalien im Meer: Kritik an fehlender Kontrolle in kroatischen Häfen (FOTOS)
(Symbolbild FOTO: iStock)
4 Min. Lesezeit |

Kroatiens Küste glänzt im Tourismusprospekt – doch unter der Oberfläche brodelt ein Problem, das Urlauber kaum ahnen.

Makarska gilt als eines der beliebtesten Reiseziele an der kroatischen Küste – doch der Massentourismus hinterlässt Spuren. Mit der wachsenden Zahl an Booten steigt auch die Belastung des Meeres: Neben Treibstoff und Abgasen gelangen sogenanntes Grauwasser aus Duschen sowie Schwarzwasser aus Toiletten ins Meer. Gesetzlich sind Bootsbesitzer verpflichtet, ihr Abwasser ausschließlich in den Absaugstationen der Marinas zu entsorgen. In der Praxis wird diese Vorschrift jedoch häufig ignoriert – Kontrollen finden kaum statt. Einem aktuellen Bericht zufolge treiben in mehreren Häfen entlang der Adria derzeit Fäkalien und Abfälle im Wasser.

Bewohner von Makarska hatten dem Portal Morski entsprechende Foto- und Videoaufnahmen zugespielt. Den Informationen zufolge führt die Stadt zwischen dem 11. und 18. Mai Wartungsarbeiten an ihrem Entwässerungsnetz durch. Der Leiter der örtlichen Wasserwerke erklärte gegenüber Morski, dass weder für die Bevölkerung noch für Besucher eine Gefährdung bestehe.

Systemisches Versagen

Der Zeitraum der Vorfälle verdeutlicht, dass die Verunreinigung nicht allein auf den sommerlichen Bootsverkehr zurückzuführen ist. „Dokumentierte Fälle von Fäkalien und schwimmenden Festabfällen (Papier, Hygieneartikel) mitten in den Hafenbecken deuten auf ein systemisches Versagen hin“, heißt es in einer Analyse des Kapitäns und Seerechtexperten Milo Miklausic für das Portal Morski. Dass das Problem schon in der Vorsaison entsteht, liegt demnach wohl an dauerhaft vor Anker liegenden Schiffen, mangelhaften Entsorgungsanlagen, fehlenden Kontrollen gerade im Winter und unklaren Zuständigkeiten.

Das braune Wasser ist in der Region kein Einzelfall: Im rund 50 Kilometer entfernten Ploče ergab eine Analyse der Badewasserqualität für das Jahr 2025, dass die zulässigen Grenzwerte für den Keim Escherichia coli (Darmbakterium) überschritten wurden – so eine Mitteilung des Verwaltungsbezirks Dubrovnik-Neretva. Bereits im Vorjahr hatten Anwohner in Dubrovnik über Gestank und Verunreinigungen geklagt, wie das Portal Dnevnik berichtete.

Neben Abwässern häuft sich auch Müll im Meer, darunter zunehmend Mikroplastik. „Alle machen, was sie wollen“, sagte die Biologin Maria Blazina gegenüber BR24. Sie fordert strengere EU-Regeln, um den Umweltschutz in Kroatien zu fördern. Erschwerend kommt hinzu, dass ein erheblicher Teil der kommunalen Abwässer aus kroatischen Küstenstädten ungeklärt ins Meer gelangt, wie Morski unter Berufung auf Daten der kroatischen Umweltbehörden berichtete.

Das dreckige Wasser vor der Küste sei „ein Indiz für eine tieferliegende systemische Dysfunktion, die Kroatiens Glaubwürdigkeit bei der Umsetzung internationaler und europäischer Verpflichtungen zum Schutz der Meeresumwelt infrage stellt“, meint Miklausic weiter. Während die Verschmutzung an der Oberfläche sichtbar ist, leidet das Ökosystem darunter im Verborgenen: Ankernde Boote zerstören wertvolle Seegraswiesen, die für Jungfische als Lebensraum unverzichtbar sind, wie Meeresbiologen betonen.

Dem gegenüber stehen positive Befunde: Einer Analyse des kroatischen Umweltschutzministeriums zur Badewasserqualität zufolge erhielten mehr als 91 Prozent der über 1.000 untersuchten Strände eine ausgezeichnete Bewertung. Lediglich an acht Standorten fiel die Einstufung im vergangenen Jahr mangelhaft aus.

Pflichten & Konsequenzen

Der Tourismus rund um die Adria bringt Kroatien jährlich Millioneneinnahmen. Wer vom Meer lebt, muss es auch schützen – zu diesem Schluss kommt auch Seerechtsexperte Miklausic. Er sieht dabei zunächst die Schiffsbesitzer in der Verantwortung: Sie seien verpflichtet, einen zertifizierten Fäkalientank mit ausreichendem Fassungsvermögen mitzuführen und diesen ausschließlich in den dafür vorgesehenen Einrichtungen zu entleeren. Eine gezielte Aufklärungskampagne hält Miklausic für unerlässlich. Gleichzeitig stünden auch Hafenbehörden und lokale Verwaltungen in der Pflicht, die Wasserqualität regelmäßig zu überwachen.

Verstöße dürften nicht folgenlos bleiben. Gemeinden haften für kommunale Abwässer, die in Hafenbecken gelangen. Bei festgestellten Verunreinigungen sei rasches Handeln geboten. Das beinhalte „die Oberfläche mechanisch zu reinigen, Wasserproben zu entnehmen, die Quelle zu ermitteln und von Amts wegen Verfahren einzuleiten“, so der Experte weiter. Andernfalls könnten Fischer, Bootsführer oder Tourismusverbände Schadenersatzansprüche gegenüber den Behörden geltend machen.

Besonders in der Zeit vor Saisonbeginn plädiert der Fachmann für intensivierte Kontrollen.

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KO KOSMO-Redaktion
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