Während Kreuzfahrtschiffe an der Donau boomen, häufen sich Umweltverstöße. Immer wieder werden Fäkalien illegal im Fluss entsorgt – trotz strenger Vorschriften und Kontrollen.
Verschmutztes Abwasser in der Donau sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Ende letzten Jahres wurden Fälle bekannt, bei denen verunreinigtes Abwasser bei Passau in den Fluss eingeleitet wurde. Solche Vorkommnisse beschränken sich nicht nur auf Österreich. Die bayerische Polizei stoppte laut „PNP“ erst kürzlich wieder ein Schiff, das Fäkalien direkt in die Donau leitete.
Auch in Linz laufen Ermittlungen gegen einen Kapitän nach einem entsprechenden Videobeweis. Experten der Wasserwirtschaft betrachten diese Vorfälle bislang als isolierte Ereignisse. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die Wasserqualität der Donau durch diese punktuellen Verunreinigungen nicht dauerhaft beeinträchtigt wird.
Wachsender Schiffstourismus
Der Gütertransport auf der Donau verzeichnete laut Statistik Austria im Vorjahr einen Rückgang von etwa 14 Prozent, während die Passagierzahlen bei Flusskreuzfahrten stetig ansteigen. Oberösterreich nimmt dabei eine zentrale Position ein. Wie der ORF berichtet, legten Kreuzfahrtschiffe 2025 insgesamt 2.000 Mal an oberösterreichischen Anlegestellen an – mehr als im Vorjahr.
„Der Schifftourismus bringt Gäste aus aller Welt nach Oberösterreich und ist für viele Regionen wirtschaftlich sehr wichtig“, erklärt Petra Riffert, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Donau Oberösterreich. Mittlerweile reisen die Touristen nicht nur aus Europa, sondern verstärkt auch aus Übersee und asiatischen Ländern an, so Riffert.
Mit der zunehmenden Schiffsdichte steigen auch die Umweltschutzanforderungen. Die Einleitung von Abwässern in die Donau ist untersagt. Kreuzfahrt- und Kabinenschiffe müssen entweder mit einer funktionierenden Kläranlage an Bord ausgestattet sein oder ihr Abwasser in speziellen Behältern sammeln und fachgerecht entsorgen lassen.
Im Mai 2024 sorgte ein Video für Aufsehen, das in Linz aufgenommen wurde. Die Aufnahmen zeigen ein Kreuzfahrtschiff, das auf Höhe des Lentos eine bräunliche Flüssigkeit in die Donau abließ. Der Verdacht: Das Schiff entsorgte Fäkalien illegal im Fluss, vermutlich aufgrund einer defekten Kläranlage.
Kontrollen und Strafen
Die Einhaltung der Vorschriften wird regelmäßig durch die Schifffahrtsaufsicht und Wasserpolizei überprüft, wie Daniela König, Direktorin für Umwelt- und Wasserwirtschaft, betont. Petra Riffert weist darauf hin, dass in den vergangenen Jahren entlang der Donau zahlreiche Landstromanlagen errichtet wurden, um Kreuzfahrtschiffe mit Elektrizität zu versorgen.
Dennoch kommt es immer wieder zu Regelverstößen. Das Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur führte 2025 bei 45 kontrollierten Kabinenschiffen auf der österreichischen Donau Probenentnahmen durch. Dabei wurden fünf Mängel bei bordeigenen Kläranlagen festgestellt, einer davon in Linz.
„Im Fall einer Beanstandung durch die Schifffahrtsaufsicht müssen die Abwässer über Sammeltanks an Bord umgeleitet werden, die Kläranlage darf erst nach einer Reparatur und Nachweis der Funktionsfähigkeit durch ein Prüfinstitut wieder in Betrieb genommen werden.“, erläutert ein Ministeriumssprecher auf Anfrage des ORF OÖ.
Die illegale Einleitung von Abwasser stellt ein Verwaltungsdelikt dar und kann mit Geldstrafen bis zu 3.600 Euro geahndet werden. Bei schwerwiegenden Verstößen drohen laut Staatsanwaltschaft sogar Freiheitsstrafen.